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Chaos im Schreiben und Denken

 
02. August 2015
Chaos im Schreiben und Denken
Kategorie: Schriftkultur
 

 


„Zehn Jahre nach der offiziellen Einführung der Rechtschreibreform ist die Bilanz dieses obrigkeitlichen Gewaltaktes der Kultusbürokratie an der Sprache so ernüchternd wie eh und je.“ Mit diesem Satz beginnt ein Kommentar von Heike Schmoll in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung anlässlich des Jahrestags der fragwürdigen Vergewaltigung der Sprache durch einige besessene Linguisten. Geködert wurde die Allgemeinheit mit dem Versprechen, den Kindern damit das richtige Schreiben zu erleichtern – ein realitätsfernes Unterfangen. Was sich tatsächlich eingestellt hat, waren unterschiedliche Schreibweisen und Unsicherheit in der Handhabung der Retortenregeln. Die Zweifel wiederum führten zu einer Vernachlässigung des schulischen Rechtschreibunterrichts. Heute scheint vielen Schreibern die Rechtschreibung am Allerwertesten vorbeizugehen, jeder schreibt frei Schnauze. Das ist wörtlich zu nehmen, denn auch in der Schule dürfen die Kinder in den ersten Schuljahren nach Gehör schreiben, wobei sich eigenwillige Wortmuster einschleifen, die dann bei vielen Kindern ein Leben lang für Rechtschreibirritationen sorgen.

Was dabei auf der Strecke bleibt, ist die Lesbarkeit. Man muss es ständig wiederholen, denn es gerät immer wieder in Vergessenheit: Schrift ist zum Lesen da, das Schreiben ist nur die technische Seite, das Mittel zum Zweck! Und gerade deshalb muss Schreiben einer allgemeinen Norm folgen. Diese zu erlernen ist und bleibt mühsam. Rechtschreibung ist also nur das Vehikel, das die Lesbarkeit der Schrift ermöglicht, und kein peinigendes Selektionsinstrument von Eliten. So lange unser kulturelles und wirtschaftliches Gedeihen auf Schriftkultur basiert, wird die Vermittlung einer genormten Rechtschreibung an die kommenden Generationen unverzichtbar sein. Noch sind die fehlerhaften Texte junger Leute lesbar. Aber mit jeder Generation, welche die Schule verlässt, wird das Schreibchaos zunehmen, trotz technischer Hilfsmittel und Computerkorrekturprogramme. Davor könnte nur eine einheitliche Rechtschreibung bewahren.

Lesen Sie den Kommentar von Heike Schmoll hier >>>>>>>>>

In der Praxis existieren verschiedene Rechtschreibungen nebeneinander. Ein kleiner Teil der Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt ignoriert die Reformschreibung ganz. Gute Fachbücher und Romane gibt es immer noch in herkömmlicher Rechtschreibung. Niemand gerät aus dem Häuschen, wenn in den Schulen Texte gelesen werden, in denen  „daß“ zu lesen ist statt des plattgebügelten  „dass“ wie zum Beispiel im Roman „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann (Rowohlt, 2005 ). Dieses Buch ist in vielen Schulen sogar Abiturstoff.

Lesen Sie den Kommentar von Torsten Harmsen in der Berliner Zeitung >>>>>>>

Die Rechtschreibreform richtete große Verwirrung an, meint der Erlanger Germanist Theodor Ickler. Er war von Anfang an ein engagierter Kritiker der Rechtschreibreform. Als PEN-Vertreter gehörte er bis 2006 dem Rat für deutsche Rechtschreibung an. Zur Lösung des Problems bringt er einen Lösungsvorschlag zu Gehör, der die Rechtschreibung wieder vereinheitlichen könnte und zwar ohne neuerliche Umgewöhnung mit allen ihren Unsicherheiten, und ohne erneute Kosten für die Verlage. 

Lesen Sie das Interview mit Theodor Ickler hier >>>>>>>>>>> 

 
   

 

 



Kommentare zu diesem Beitrag:
von Laura (25. September 2015, 00:34):
Danke für den Artikel und die Links zu weiterem interessanten Lesestoff. Erst durch eine Empfehlung bei news4teachers bin ich heute auf diese Seite des Stolz Verlags aufmerksam geworden.
 

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