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Kategorie: Rechtschreibung

 
20. Februar 2010
Konfus!
Kategorie: Rechtschreibung

Die konfuse neue Rechtschreibung

In der Schweiz wird in Sachen Rechtschreibung hinter den Kulissen heftig geplant und verhandelt. Ab und zu leuchtet in der Öffentlichkeit ein Widerschein auf – neuestes Beispiel: Die Kolumne »Übrigens« im Walliser Boten. Übrigens … die Auseinandersetzung ist noch lange nicht zu Ende, auch in Deutschland nicht.

Der «Leitfaden 3» – und was davon zu halten ist
von Dr. Alois Grichting

Übrigens … wurde am 1. August 2009 die konfuse neue Rechtschreibung, die 13 Jahre lang immer wieder verändert worden war, für die schweizerischen Schulen als bindend erklärt. Unsere Bundeskanzlei hat 2008 in dritter Auflage dazu einen «Leitfaden zur deutschen Rechtschreibung» herausgebracht. Nennen wir ihn «Leitfaden 3». Diese dritte Auflage wurde nötig, weil der «Rat für Rechtschreibung» 2006 vieles von dem rückgängig machte, was in den Jahren zuvor als «Neue Rechtschreibung» gepriesen worden war. So läuft das Possenspiel «Reform der Reformen»: Tat uns einst, reformbedingt, etwas «Leid», so tut es uns nun wieder «leid» – wie es vor der Reform war; was «so genannt» hiess, darf nun wieder «sogenannt» sein usw. Da die Autoren von «Leitfaden 3» nicht erläutern, warum etliche Jahre lang «Leid tun», «so genannt» usw. zu schreiben war, wird die Sache immer dubioser. Die Autoren stellen damit – auf die Vergesslichkeit der Leute hoffend – unehrlich als Neuregelungen vor, was eigentlich Rücknahmen der Reform sind. Wenn sie schrieben, die neue Regelung hätte viele Gegner, verschweigen sie, dass sie als Folge gewaltigen Widerstands gegen ihr liederliches Tun selbst Gegner dieser Reform werden mussten.
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Quelle: Walliser Bote, 15. Januar 2010, Seite 5
 
05. Februar 2010
Paradoxer Wildwuchs
Kategorie: Rechtschreibung

Neue Rechtschreibung: Paradoxer Wildwuchs

Im Wallis macht sich eine weitere Stimme bemerkbar. Wir können gespannt sein, ob die Lehrer den ihnen zugespielten Ball annehmen.

„Eine klassische Verschlimmbesserung“
von Leander Bregy

Es gibt Menschen, denen ist nur alles Neue gut genug, recht und richtig. Es handelt sich dabei sehr oft um Menschen, die glauben, nur in ständigen Veränderungen und im Neuen liege das Heil der Welt. Und wer mit dieser Kategorie von stets verändernden Menschen nicht einverstanden ist, wird von diesen «Heilbringenden» bald einmal als rückständig, hinterwäldlerisch, konservativ und nicht zeitgemäss abgekanzelt.

Klar: Wer nicht mit der Zeit geht, mit dem geht man mit der Zeit … An dieser Aussage haftet zweifelsohne viel Wahres. Und: Was sich nicht bewährt, Probleme schafft, absolut überholt ist usw. darf und soll geändert, erneuert und verbessert werden. Aber: Die Erfahrung lehrt uns immer wieder, dass vieles vom Neuen, vom Geänderten, vom sogenannt Verbesserten in Tat und Wahrheit reinrassige Verschlimmbesserung ist!
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Quelle: Walliser Bote, 27. Januar 2010, Seite 5
 
27. Januar 2010
Beim Eis Laufen ...
Kategorie: Rechtschreibung


»Beim Eis Laufen kann man sich prächtig unter halten und ein Mal so richtig aus toben.« 

In der Schriftsprache grassiert ein Virus, der zu einer unübersehbaren Flut wunderbarer Wortvermehrung geführt hat. Wie Nanopartikel fliegen uns seltsame Wortbestandteile um die Ohren. Ursache ist die Banausenregel der Rechtschreibreformer, die im Falle des Rechtschreibzweifels den universellen Brechstab über zusammengesetzten Verben zu brechen vorschlug.

»Besonders leid tun können einem Verben wie teilnehmen, preisgeben und heimzahlen. Denn hat dort erst einmal das Trennvirus zugeschlagen uns daraus teil nehmen, preis geben und heim zahlen gemacht, fühlt sich meist gleich auch das Großschreibvirus wie magisch angezogen und restauriert die schon längst verblichenen Ex-Substantive zu neuen Hauptwörtern. Und so kommt es, daß dann da am Ende Teil nehmen, Preis geben und Heim zahlen steht. Natürlich gibt’s das so auch, aber so ist die Bedeutung eine total andere (man kann z. B. vom Ganzen einen Teil nehmen, dem Sieger einen Preis geben und für sein Heim zahlen).

Ja, aber ...

„Aber die neue Rechtschreibung fordert doch in all diesen Fällen die Getrenntschreibung!“, heißt es oft. Tut sie zwar nicht, aber wen interessiert das jetzt noch – nach sovielen Jahren der Desinformation und staatlich unterstützten Verwirrung? In allen oben geschilderten Fällen sind sich alte und neue Rechtschreibung immer- und weiterhin vollkommen einig: Es wird einfach zusammengeschrieben, was zusammengehört. ...»

(Auszug aus einem tagesaktuellen Beitrag auf RP ONLINE. Den ganzen Beitrag, der das Unwesen der Getrenntschreibung humorvoll auf die Schippe nicht, finden Sie hier>>>. Klick!)

 
23. Januar 2010
Steigern, und wie!
Kategorie: Rechtschreibung

Papa, wie steigert man furchterregend?
Lass mich in Ruh, ich lese gerade die Zeitung.
Papa, wie steigert man alleinstehend?
Was soll das jetzt schon wieder?
Papa, ich weiß nicht, wie man benzinsparend steigert! 
Ich steigere dir gleich was!

Alles muss man selber machen, denkt Hannes.
Aber er kann es ja! Morgen wird der Lehrer staunen, bei soviel Einfallsreichtum:

Furcht erregend — Fürchter erregend — am Fürchterlichsten regend
allein stehend — alleiner stehend — am alleinsten stehend
Benzin sparend — Benziner sparend — am Benzin sparendsten

 
 
17. November 2009
Rechtschreibfehler und Leser
Kategorie: Rechtschreibung
 

Die verschlüsselte Botschaft fehlerhafter Texte
Unbewusste Schlussfolgerungen beim Leser

»Vordergründig deuten fehlerhafte Texte auf einen nachlässigen Umgang mit Sprache und fehlende Rechtschreibkenntnisse hin, unbewusst zieht der Leser aber noch weitere Rückschlüsse. Ein niedriges Bildungsniveau, unsaubere Arbeitsweise, Unprofessionalität und Unzuverlässigkeit des Verfassers sind nur einige Assoziationen, die durch falsche Rechtschreibung hervorgerufen werden. Rückschlüsse von der Korrektheit der Schreibweise auf die Richtigkeit des Inhalts sind schnell gezogen. Texte, die frei von Fehlern sind, zeigen dagegen, dass die Sprache bewusst und sorgfältig eingesetzt wurde. Der Leser schließt daraus, dass der Verfasser ein hohes Bildungsniveau hat, in seinen Aussagen zuverlässig und professionell arbeitet.«

Quelle: bildungsklick.de
 
 
06. November 2009
Autoren ärgern sich über die Folgen der Rechtschreibreform
Kategorie: Rechtschreibung

Autoren verlangen Respekt für die Gestalt ihrer Texte
SOK Schweizer Orthographische Konferenz
Der Verband AdS, Autorinnen und Autoren der Schweiz, verlangt, dass die von ihnen gewählte Gestalt eines Textes respektiert wird. Zur Gestalt gehöre ausdrücklich auch die Rechtschreibung. Der Verband ersucht die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrates in einer Eingabe vom 20. August 2009, »dafür zu sorgen, dass das amtliche Regelwerk endlich unabhängig von Politik, Ideologie und wirtschaftlichen Interessen korrigiert wird und dass die neue Rechtschreibung in der dafür nötigen Zeit in Schule und Verwaltung ausgesetzt wird. Für einen gangbaren Weg halten wir die Empfehlungen der Schweizer Orthographischen Konferenz (SOK).« Weiterlesen>>>>

Auch in Österreich bewegt sich etwas. Beispielhaft ist die Vereinbarung zwischen der Interessengemeinschaft österreichischer Autorinnen und Autoren und den österreichischen Schulbuchverlagen, die am 1. Januar 2010 in Kraft treten soll. Danach haben die Schulbuchverlage das Recht, Ausschnitte aus Werken zu publizieren, dürfen die Texte dabei aber nicht bearbeiten und entstellen. »Auch Rechtschreibanpassungen (inklusive Interpunktion) bedürfen der Einwilligung der Urheber.« Die Vereinbarung hat auch die Unterstützung des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. Zur Präambel der Vereinbarung.

 
Quelle: Homepage der SOK http://www.sok.ch/
 
29. Oktober 2009
Schriftbild und Sprache
Kategorie: Rechtschreibung

Sprechen und Denken werden durch unsere Schriftsprache mehr geformt, als wir ahnen. Könnte es sein, daß die Vorstellung vom Begriff und damit die Sicht der Welt eng zusammenhängen mit dem Schriftbild eines Wortes? Bevor ein Mensch schreiben kann, ist sein Sprachverständnis verwaschen, die Wörter und ihre Botschaften werden eigenwillig interpretiert. Dazu drei Beispiele.

Das erste entnehme ich den Erinnerungen an meine eigene Kindheit. Wenn ich, die Fünfjährige, meiner Mutter nicht gehorchen wollte, bekam ich stets denselben, mit ärgerlichem Unterton gesprochenen Satz zu hören: „Deiner werd’ ich schon Herr werden!“ Die heute altertümlich wirkende Aussage habe ich damals auf meine analphabetische Weise interpretiert. Der „Herr“ war für mich ein schlichtes „her“. Und so verstand ich den Satz: „Deiner werd ich schon herwerden.“ Herwerden wie herkommen. Das fand ich zwar seltsam, aber was ist dem Kinde nicht alles ein Schloß mit sieben Siegeln! Als ich viele Jahre später diesen Satz lesend wiederentdeckte, erkannte ich seine wahre Aussage.

Die zweite Erinnerung datiert zurück in die Zeit meines Lehrerdaseins. Eine Schülerin der fünften Klasse Hauptschule, ein des Schreibens nicht gerade sehr mächtiges Kind, aß in der Pause einen Apfel. Als nur noch das Gehäuse übrig war, kam das Mädchen zu mir, um mich zu fragen, wo denn der „Apfeleimer“ geblieben sei. Der Apfelrest in ihrer Hand ließ mich in die Fallgrube stolpern. Verwundert fragte ich nach, was sie denn mit „Apfeleimer“ meine. „Na, den Apfel-Eimer, da wo die Apfelreste reinmüssen.“ Sie suchte den „Abfalleimer.“

Das dritte Beispiel ist ebenfalls meiner Zeit an der Schule entnommen. An einem Montag liefen mir einige Schüler entgegen und erzählten aufgeregt, am vorangegangenen Sonntag sei das „Fahrfest“ gewesen, sie hätten viel Spaß gehabt. Mit den Gepflogenheiten des dörflichen Lebens war ich, die neue Lehrkraft an der Schule, noch nicht vertraut; die Schilderungen der Kinder stürzten mich in stille Ratlosigkeit. Ein „Fahrfest“, was mochte das für ein ominöses Fest sein? Auch vom „Fahrer“ war oft die Rede. Der Skurrilitäten nahm es kein Ende, meine Phantasie lief heiß. Schließlich verdichteten sich etliche Details in eine gewisse Richtung, und endlich dämmerte es mir: das in schlampiger Sprache so genannte „Fahrfest“ war in Wahrheit das jährlich abgehaltene „Pfarrfest“!

So manches Kind meint „Umfall“ sei das richtige Wort für „Unfall“ und spricht das auch so. Wäre die geschriebene Sprache nicht, wir hätten es mit einem ständigen Gesichtswechsel der Wörter und damit einhergehenden Wandel der Weltsicht zu tun. Die Schriftsprache erst schafft einen festen Orientierungsrahmen und damit Kultur. Kultur benötigt und erzeugt zugleich stabile Verhältnisse und damit Voraussagbarkeit. So etwas fängt an und endet bei so nebensächlichen Dingen wie „Herren“ und „Abfalleimern“.

Karin Pfeiffer

 
 

 
11. September 2009
Rechtschreibreform: ein gutes Geschäft?
Kategorie: Rechtschreibung

Vom Duden für dumm verkauft
von Hans Krieger
Duden & Co machen sich wieder wichtig. Wenn man schon mit einer Rechtschreibreform die allgemeine orthographische Verunsicherung herbeiverordnet hat (nicht nur in der Sozialpolitik nennt man Verschlechterungen »Reform«), dann muß diese Verunsicherung auch geschäftlich genutzt werden. Drei Jahre ist es immerhin schon her, daß der Deutsche Rechtschreibrat die Reform reformiert und damit neue Wörterbücher nötig gemacht hat. Und irgend etwas muß in so langer Zeit doch wohl passiert sein, das die Anschaffung eines noch neueren Rechtschreibwörterbuches unabdingbar macht. Orthographisch ist aber rein gar nichts passiert; nicht einmal die Schilder »Ausfahrt freihalten« müssen in »Ausfahrt frei halten« geändert werden, wie die Süddeutsche Zeitung herausgefunden zu haben glaubt, denn freihalten durfte man schon bisher nur einen Gast, aber keine Ausfahrt. Warum also Neuauflagen bei Duden wie beim Konkurrenzunternehmen Wahrig? Weiterlesen>>>>

 
Quelle: Ossietzky. Zweiwochenschrift für Politik/Kultur/Wirtschaft
 
20. August 2009
Zusammen oder getrennt?
Kategorie: Rechtschreibung

Rechtschreibempfehlungen aus dem neuen Duden
aufgespießt von Theodor Ickler
Die Zusammen- und Getrenntschreibung ist leichter geworden. Wer den neuen Duden gekauft hat, kann sich gleich davon überzeugen. Der Germanist Theodor Ickler hat einige Beispiele für die Erleichterungen durch die Rechtschreibreform zusammengetragen:

Furcht einflößend, furchterregend, Energie sparend, platzsparend, Raum sparend, zeitsparend, Staaten bildend, klassenbildend, Sporen bildend, blutbildend, Segen spendend, gnadenbringend, kaputt machen, kaputtsparen, stramm ziehen, strammstehen, geradebiegen, gerade richten, allgemeingültig, allgemein verbindlich, nichtssagend, nichts ahnend, weit gereist, weitverbreitet, hochdekoriert, hoch dotiert, eine Handvoll, eine Zeit lang

Alles klar?

 
 
 
01. August 2009
Welt online: Die Rechtschreibreform ist gescheitert
Kategorie: Rechtschreibung

Die Leidtragenden sind die Schüler
von Dankwart Guratzsch
Im verflixten 13. Jahr nach der umstrittenen Rechtschreibreform legen Duden und Wahrig parallel zwei neue deutsche Wörterbücher vor — und bescheinigen damit ungewollt der größten Umstellung der deutschen Schriftsprache seit Konrad Duden ihr völliges Scheitern. Denn statt einer gemeinsamen Orthographie — also Richtigschreibung — für das Deutsche präsentieren sie zwei. Weiterlesen>>>>

 
 
 
07. Juni 2009
SOK fordert Rechtschreibmoratorium
Kategorie: Rechtschreibung

Am 4. Juni 2009 trafen sich in Zürich hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Presse, Verlagwesen und Schule zur Frühlingstagung der Schweizer Orthographischen Konferenz (SOK). Unter den zahlreich erschienenen Teilnehmern befanden sich auch Gäste aus Deutschland und Österreich. Das zentrale Anliegen aller Anwesenden zeigte sich in der Sorge um das Kulturgut Schriftsprache. Seit dem willkürlichen Eingriff durch die erste Reform 1996 und die Reformen in den Folgejahren sei in allen Teilen der Bevölkerung deutlich wahrnehmbar und in zunehmendem Maße eine lähmende Schreibunsicherheit zu spüren; auch Lehrer seien davon nicht ausgenommen. Niemand wisse mehr, was normgerechtes und lesefreundliches Schreiben sei. Das führe zu einer Vernachlässigung der Schreibkultur, auch und gerade in der Schule. Bei der jungen Generation lasse sich eine bedenkliche Gleichgültigkeit hinsichtlich Sorgfalt und Schreibrichtigkeit beobachten. Orthographische Nachlässigkeit färbe negativ auf Wortwahl und Formulierungen ab. Das logische Denken sei in hohem Maße mit dem richtigen schriftlichen Gebrauch der Wörter verbunden. Der Stellenwert des richtigen Schreibens sinke, sehr zum Schaden von Kommunikation und Logik. Wer sich ständig mit falschen oder fragwürdigen Schreibweisen herumschlagen müsse, könne sich nicht mehr auf inhaltliche Aufgaben konzentrieren. Es müsse deshalb gerade im Interesse der schreibenden Zunft und der Lehrer liegen, daß ein Schlußstrich unter das Experiment gezogen werde. Vor allem Leser wünschen sich wieder ein einheitliches Bild: Leser sind wir alle! Wir lesen ein Vielfaches mehr als wir schreiben! Schrift ist für den Leser da, nicht für den Produzenten der Schrift.

Ein Weg aus der Sackgasse wird im Moratorium der SOK aufgezeigt: die herkömmlichen Schreibweisen sollen an den Schulen nicht als »falsch« angestrichen werden müssen (Liberalisierung). Im gleichberechtigten Nebeneinander von klassischer Rechtschreibung und den sogenannten Reformschreibungen könne sich dann mit den Jahren das durchsetzen, was sich bewähre und von der Sprachgemeinschaft als nützlich angenommen werde. Allmählich werde sich auf diese Weise wieder Einheitlichkeit herstellen. Deutschland und Österreich sind herzlich eingeladen, an der Wiederherstellung der Einheitlichkeit unserer gemeinsamen Schriftsprache mitzuwirken!

Hier geht es zum Text des Moratoriums»
Bericht der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ)»

 

»Etwas falsch zu schreiben gibt es unendlich
viele Möglichkeiten;
etwas richtig zu schreiben, nur eine!«
(Stefan Stirnemann, Gymnasiallehrer)

 
 
01. Juni 2009
Ein Rechtschreibpanorama - Rückblick und Ausblick
Kategorie: Rechtschreibung

In der ersten Ausgabe 2009 der Zeitschrift des Philologenverbandes »Gymnasium in Niedersachsen« gibt Wolfgang Steinbrecht einen lesenswerten Überblick über Entstehungsgeschichte und Folgen der sogenannten Rechtschreibreform. Hier geht es zum Text»

Übergeordneter Link: SOK Schweizer Orthographische Konferenz

 
 
 
20. Mai 2009
Die Schweiz weist den Weg aus dem Chaos
Kategorie: Rechtschreibung

In der NZZ Online erschien am 17. Mai ein Beitrag über Möglichkeiten, das Chaos in der Rechtschreibung zu beenden. Seit 2004 ist fast allen klar, dass die deutsche Rechtschreibreform von 1996 gescheitert ist. Anstatt sie zurückzunehmen, hat man sie 2006 mit der Freigabe unzähliger Varianten ins Kraut schießen lassen. Die jetzige Situation ist zutiefst unbegriedigend. Rudolf Wachter, der Verfasser des Artikels, ist Professor für historische Sprachwissenschaft an den Universitäten Basel und Lausanne. Die beherzten Schritte, die in der Schweiz zur Lösung des untragbaren Problems unternommen werden, können auch für Deutschland wegweisend sein. Hier geht es zum Text»

 
 
 
18. Mai 2009
Schluß mit der Bildungsreform!
Kategorie: Rechtschreibung

Konrad Paul Liessmann, Professor am Institut für Philosophie der Universität Wien, äußert sich in seinem 2006 erschienen Werk »Theorie der Unbildung« zum Thema Rechtschreibreform mit Worten, die an Eindeutigkeit nichts vermissen lassen. Interessiert? Folgen Sie bitte diesem Wegweiser»
Übergeordneter Link: SOK Schweizer Orthographische Konferenz

 
 
 
12. Mai 2009
Neuer Streit um die Rechtschreibreform
Kategorie: Rechtschreibung

Jetzt und künftig:
5-Jahres-Pläne für die Rechtschreibung?

Als schon bald nach der Einführung der sogenannten Reformschreibung sichtbar wurde, daß die tatsächlichen Ergebnisse den erwarteten in keiner Weise entsprachen, sahen sich die Verantwortlichen zum Handeln gezwungen. Um den Unwillen in der Bevölkerung zu glätten (mehrere Umfragen zeigten einhellige Ablehnung der Reformschreibung), installierte die Politik im Jahr 2004 den »Rat für deutsche Rechtschreibung«. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
08. April 2009
Das Dilemma mit der »neuen« Rechtschreibung
Kategorie: Rechtschreibung

Das Dilemma mit der »neuen« Rechtschreibung

Die Erscheinungsform der gegenwärtigen Orthographie im öffentlichen Raum — und erst recht in den Schulen — ist in einem beklagenswerten Zustand. Welche der möglichen Ursachen auch immer genannt werden, niemand wird der Sache ganz gerecht, wenn die Hauptkalamität ausgeblendet wird: es ist dies die sogenannte Rechtschreibreform.

Seit der vom Staat an den Schulen erzwungenen Einführung der Reformschreibung ist diese mehr oder minder freiwillig von einem Großteil der Öffentlichkeit übernommen worden (man will ja nicht als rückständig gelten). Mit der Zeit sind auch vormals sattelfeste Rechtschreiber aus dem Konzept gebracht worden. Niemand weiß mehr, wie man richtig schreibt. Unzählige, in ihrem Variationsreichtum täglich sich vervielfältigende, verschiedenartige Wortbilder für ein und dasselbe Wort haben uns zweihundert Jahre zurückgeworfen, als es noch keine einheitliche Orthographie gab.

Dieser Zustand ist vor allem für Kinder folgenreich, denn Vielfalt in den Erscheinungsform jeweils eines Wortes verhindern die Ausbildung der Intuition, deren Entstehen Gleichförmigkeit und Verläßlichkeit zur Voraussetzung hat. Kinder haben es heute beim Lernen des richtigen Schreibens dank »kinderfreundlicher« Reformorthographie viel schwerer als ihre Eltern und Großeltern.

Schuld an diesem unbefriedigenden Zustand hat nicht, wie immer wieder kolportiert wird, das immer noch und auch in unabsehbare Zukunft hinein zahlreich in der Öffentlichkeit vorhandene Schriftgut in herkömmlicher Orthographie. Wie sollen all diese Schriftstücke und Bücher auch verschwinden, wenn wir sie nicht planvoll vernichten? Wer wollte damit beginnen? Bei dieser Vorstellung müßte es einem kulturverbundenen Menschen ziemlich schwül werden.
Die wahre und einzige Ursache für die allgemeine Schreibunsicherheit ist die Reformschreibung selbst in ihren unzähligen Varianten und kreativen Erscheinungsbildern. Sie ist und bleibt ein künstliches Gebilde menschlicher Willkür, aufgepfropft auf einen lebendigen Stamm und daher nicht beherrschbar. Zahlreiche Hausorthographien bestehen nebeneinander, Bücher und Zeitungen strotzen von Fehlern, jeder schreibt wie er will und meint, sich im Neuschrieb zu üben. Gleichgültigkeit breitet sich aus in Anbetracht der Unbeherrschbarkeit. Goethes Zauberlehrling kommt einem in den Sinn. Kaum jemand weiß noch, daß die klassische Rechtschreibung leicht lesbar und nicht so schwer erlernbar war, wie die Propaganda es uns weismachen wollte (und dabei auf offene Ohren stieß).

Es darf nicht verboten sein zu fragen, ob es denn ein Fortschritt sei, wenn heute gut lesbare Straßenschilder ausgetauscht werden gegen neue. Ist die »Schlossstraße« gegenüber der »Schloßstraße« tatsächlich eine kulturelle Errungenschaft? Oder muß der Teufel zum selben Loch hinaus, durch das er hereingekommen ist?

Karin Pfeiffer

 
 
21. Februar 2009
Politik und Sprache
Kategorien: Rechtschreibung | Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten

Die Politik soll um Gottes Willen die Finger von der Sprache lassen. Sie hat es ja auf katastrophale Weise getan im Zusammenhang mit dieser sogenannten »Rechtschreibreform«, die eine einzige Zerstörung der Ordnung der Rechtschreibung war, die wir einmal hatten. Kein Land der Welt würde sich trauen, per Regierung einzugreifen in die gewachsene Sprache. Schlimm ist auch, dass man die Absicht hatte, mit dieser Rechtschreibreform das Deutsche so zu versimpeln, dass es anscheinend nicht schwierig ist. Aber das ist der falsche Ansatz; man muss viel verlangen von den Kindern, wenn sie in den Kindergarten und in die Schule kommen, und die werden da schon mitkommen, wenn sie richtig angeleitet, gefordert und gefördert werden. Man darf die Latte nicht auf den Boden legen, man muss sie hoch hängen.

Klaus Reichert, Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, in einem Interview auf der Deutschen Welle, 21.2.2009

 
 
02. Februar 2009
Ungewolltes Einprägen von Fehlern
Kategorien: Schule und Lernen | Rechtschreibung

  »Fritz Nopf meint«

Alles, was der Mensch lernt, geht durch wiederholtes Üben ins sogenannte »Langzeitgedächtnis« ein. Der Mensch kann sich alles mögliche einprägen, also neben Nützlichem und Richtigem auch Nutzloses, Dummes oder gar Fehlerhaftes bzw. Falsches. Auf dem unendlich weiten Gebiet der Möglichkeiten geht die moderne Grundschulpädagogik einen auffallend eigenartigen Weg. Sie gestattet nicht bloß, sondern sie empfiehlt sogar, Schulkinder sollten so früh wie möglich mit dem »Freien Schreiben« beginnen. Eltern sollten tunlichst nichts korrigieren. Diese aber sind voller Sorge, denn die von Erst- und Zweitklässern produzierten »freien« Texte sind voller Fehler, in nicht wenigen Fällen sind sie völlig unleserlich. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
27. Januar 2009
Rechtschreibung: eine Fensterscheibe
Kategorie: Rechtschreibung

Rechtschreibung: eine Fensterscheibe
Prof. Dr. Dr. Wachter, der an den Universitäten Basel und Lausanne lehrt, verglich gute Rechtschreibung mit einer blankgeputzten Fensterscheibe, durch die man das Landschaftspanorama anschaut. Eine blanke Fensterscheibe falle überhaupt nicht auf, erst Flecken darauf störten die Aussicht. So sei es auch mit der Rechtschreibung. Wir finden, dies ist ein sehr schönes Bild.

Karin Pfeiffer

 
01. Oktober 2008
10 Jahre Volksentscheid gegen die Rechtschreibreform
Kategorie: Rechtschreibung

foto: pixelio
Schulkinder machen heute mehr Rechtschreibfehler als noch vor zehn Jahren. Inzwischen belegen Untersuchungen, daß die Rechtschreibreform an dieser Entwicklung nicht unschuldig ist, wie eine aktuelle Studie von Uwe Grund belegt. (Genaueres siehe hier »») Berücksichtigt wurde, daß die ungünstigen Bedingungen eine Rolle spielen, unter denen Kinder heute leben und lernen. Es wird insgesamt weniger geschrieben – und auch weniger gelesen. Überraschend ist das nicht, denn mit dem Aufkommen der Kommunikationsmedien ist die an Bildschirmen aller Art verbrachte Zeitspanne gewachsen – doch der Tag hat nach wie vor 24 Stunden, von denen ein Drittel schlafend verbracht wird.

Rechtschreiben als Gegenstand der Diskussion
Seit 1996 haben sich die Schreibweisen einzelner Wörter mehrfach geändert und wieder rückgeändert. Von der Schreibgemeinschaft kaum registriert, wurden einige Großschreibungen und die exzessive Getrenntschreibung der Wörter weitgehend zurückgenommen. Was wird an der Schule vermittelt? Von einer konsistenten, gültigen Rechtschreibung kann nicht mehr die Rede sein, da kaum jemand weiß, wie diese aussehen sollte. Die Rechtschreibung in der Schule, ein Gegenstand für Diskussionen und Verhandlungstaktik? Für fast jede seltsame Schreibweise gibt es Belege, wir finden sie in Büchern, Zeitungstexten, Verlautbarungen, Illustrierten, Behördenbriefen, Gebrauchsanweisungen und so weiter – ja selbst Wörterbücher bieten Varianten an.

Zum Wohl der Kinder
In Sachen Erleichterungsorthographie haben wir sie geradezu überschüttet mit unserer selbstlosen Fürsorge: zu Gunsten der Kinder verzichten wir bis heute auf die Einleitung letztlich unumgänglicher Schritte. Inzwischen regt sich ein quälender Verdacht: sollten etwa die Begünstigten gleichzeitig die Hauptleidtragenden sein? Wie sollen unsere Kinder richtig schreiben lernen, wenn jeder schreibt, wie er gerade kann, es aber keiner mehr wirklich kann?

 
»Kann ich ein Mal Ihren Aussweiss sehen?«

Vom Protest, der immer »zu spät« kam
Vorausgesehen haben dies viele. Noch ehe 1996 die verblüffte Öffentlichkeit von der geplanten Reform erfuhr, kam der sachkundige Protest angeblich zu spät. Und dort, wo Widerstand früh genug einsetzte und sich als politischer Wille der Bevölkerungsmehrheit äußerte, geschah Denkwürdiges. Es bleibt der künftigen Generation vorbehalten, die »demokratischen« Vorgänge um die sogenannte Rechtschreibreform geschichtlich einzuordnen und entsprechend zu würdigen: In Schleswig-Holstein wurde ein gültiger Volksenscheid gegen die Rechtschreibreform von den damals amtierenden Politikern einfach gekippt. Als »beispiellosen Tiefpunkt demokratischer Kultur« bezeichnet dies der Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Elternvereins e.V., Dr. U. Kliegis. Den vom Elternverein herausgegebenen Pressetext anläßlich dieses beschämenden Gedenktages können Sie hier herunterladen:

Zehn Jahre Volkentscheid gegen die Rechtschreibreform

 

Fragen um die Rechtschreibung:
(Wird laufend ergänzt)

• Falsche Regeln in Schulbüchern

• Die Funktion des Buchstaben ß

• Weshalb das und dass jetzt öfter verwechselt werden

• Die SOK: Protest gegen die Rechtschreibreform in der Schweiz

 
30. September 2008
Was tun bei Legasthenie?
Kategorie: Rechtschreibung

 
foto: pixelio

Orientierungsschwäche als mögliche Ursache

Orientierungsschwäche im Raum, sei es aus Mangel an Bewegung oder durch organisch bedingte Defekte, kann eine der möglichen Ursachen für Lese-Rechtschreibschwäche sein. Wenn heutige Kinder von klein an viel Zeit vor Bildschirmen aller Art verbringen und auch sonst bewegungsarm aufwachsen – in einem Maße wie keine Generation zuvor - kann sich das nötige Körpergefühl nicht einstellen, das zu sicherer Balance und Orientierung im Raum befähigt.

Lernen und Bewegung
Alles Lernen setzt Bewegung voraus. Selbst wenn wir beim Nachdenken still dasitzen, führen kleinste Zellen im Gehirn Microbewegungen aus. Denken und Lernen findet auf einer physikalischen (körperlichen) Ebene statt. Nur in der Bewegung nehmen wir die Welt, und damit uns selbst wahr. Nur in der Bewegung erspüren wir Veränderungen. Nur durch Bewegungen gelingt es, unterschiedliche Sinnesreize zu erkennen und zu vergleichen. Ein Zeitgefühl bildet sich heraus, ohne das räumliche Orientierung nicht möglich ist (vorher, nachher, jetzt). So können wir unsere Position im Raum ausloten und unseren Standort in bezug zur Umwelt bestimmen.

Links und rechts
Kinder, die links und rechts, vorn und hinten, oben und unten nicht sicher unterscheiden können, haben sich selbst und ihre Beziehung zur Welt noch nicht gefunden. Sie wissen nicht, wo sie stehen und sind im wahrsten Sinne des Wortes orientierungslos. Eindimensionale und im wesentlichen das Auge ansprechende Bilder von Fernseher oder Computer sind die denkbar schlechteste Antwort auf grundlegende Erfahrungsdefizite des Räumlichen. Die Bilder vor den Augen bewegen sich, der Körper bleibt passiv. Das Gleichgewichtsorgan hat keine Arbeit. Es entwickelt sich ein punktuelles Bewusstsein, dem die zeitliche und räumliche Beziehung zur Welt fremd ist. Die Realität jedoch lässt sich nur mit zeitlichen und räumlichen Koordinaten bestimmen. Alles Lernen baut darauf auf: das Lesen, Schreiben, Rechnen – das gesamte logische Denken.

Der Orientierungsschwäche vorbeugen

Moderne visuelle Medien wie Fernsehen oder Computer bereichern unser Leben. Wie in der Medizin, kommt es auf die Dosierung an, ob sie uns Nutzen bringen oder Schaden. Im schulischen Unterricht schadet Enthaltsamkeit nicht, im Gegenteil. Die knapp bemessene Zeit am Schulvormittag soll der Einübung grundlegender Kulturtechniken vorbehalten sein, ohne die auch ein sinnvoller Gebrauch der Medien nicht möglich ist. Ein Fehler wäre es, zugunsten des Medienunterrichts den Sport-, Musik- und Kunstunterricht zu kürzen! Die musischen Fächer bieten genau das, was der bewegungsarmen Zeit fehlt: Orientierung, sinnliche Eindrücke, Freude am Tun. Damit können wir bei allen Kindern grundlegende Defizite auffangen. Dass insbesondere die musikalische Erziehung positive Auswirkungen auf Intelligenz und Wohlbefinden haben, ist durch Untersuchungen längst bewiesen.

Fundamente legen
Fehlen die Fundamente beim Hausbau, kann kein stabiles Gebäude errichtet werden. Eine gute Körperschulung ist von außerordentlichem Wert für die Fähigkeit, Lesen und Schreiben zu lernen. Kinder sollten sich nicht nur im Sport bewegen, sondern auch im Alltag. Lassen wir sie zu Fuß gehen! Schaffen wir Räume, in denen sie sich bewegen und entfalten dürfen! Sie werden es uns durch eine positive Lebenseinstellung, Frohsinn und  Leistungsbereitschaft in den sogenannten »Hauptfächern« danken!

Das Ganze zergliedern
Wer lernt, muss das Komplexe zerlegen. Der Großvater zerlegte als Kind noch klammheimlich die elterliche Küchenuhr (und kriegte sie dann nicht mehr zusammengebaut), kleine Kinder zerlegen fachgerecht so ziemlich alles, was sie in die Hände bekommen, und auch die Wörter wollen vom Lernenden »zerlegt« werden, und zwar in Silben. Klatschen, rhythmisches Sprechen, Schreiben von Silben, Anfertigen von Silbenbögen – all dies trägt dazu bei, Schritt für Schritt das Lesen und Schreiben zu erlernen.

Nicht alles gleichzeitig üben
Noch ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Hat ein Kind zum Beispiel Schwierigkeiten im Zuordnen von links und rechts, so sollten wir beim Üben immer nur eine Richtung herausgreifen, zum Beispiel rechts. Das gleichzeitige Üben von beidem verwirrt unweigerlich. Zuerst muss eine einzige Seite sicher angelegt sein, ehe wir Unterscheidungsaufgaben stellen. Beginnen wir mit  rechts. Und wenn es Tage oder Wochen dauert: Sobald die rechte Seite fixiert ist, wird es mit einem Mal und ohne Training auch die linke sein! Denn links ist dort, wo NICHT rechts ist.
Komplexe Lernschritte aufzugliedern ist gerade für lese-rechtschreibschwache Kinder ein Muss. Gegenüberstellungen beim Üben (s oder ss, d, t oder dt usw.) schaden mehr, als sie nützen. Sie stiften Verwirrung und legen den Grundstein für Unsicherheit und Unlust. Was aber gerade legasthene Kinder benötigen, sind Ermutigung, aufmunternter Zuspruch und Lob. Lob verdienen sie beim Üben kleiner Schritte. Und viele kleine Schritte führen eher zum Ziel als ein großer Schritt, bei dem man leicht straucheln kann.

Karin Pfeiffer

Literaturhinweis:
Lesetraining für Legastheniker, Stolz Verlag, Best.-Nr. 126
 
 

 

 
30. Juli 2008
Rechtschreibreform
Kategorien: Rechtschreibung | Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten
Schüler an deutschen Schulen machen seit dem Inkrafttreten der Rechtschreibreform vor zehn Jahren annähernd doppelt so viele Fehler wie zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Uwe Grund auf der Jahrestagung der Forschungsgruppe Deutsche Sprache (FDS) am 26. Juli 2008 in Stuttgart vorstellte.
Die vergleichende Untersuchung der Schülerrechtschreibleistungen können Sie abladen, wenn Sie auf das Bild klicken. Die Meldung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: siehe hier>>
 
 
16. Juni 2008
Allensbach-Umfrage zur Rechtschreibung
Kategorie: Rechtschreibung
Aktuelle Agenturmeldung (Quelle: faz.net) 

14. Juni 2008 Die Rechtschreibreform wird auch zwölf Jahre nach ihrer Verkündung und zwei Jahre nach ihrer endgültigen Einführung von der Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht akzeptiert. Das ist das wichtigste Ergebnis einer Studie zum Sprachverhalten der Bundesbürger, die die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) beim Institut für Demoskopie in Allensbach in Auftrag gegeben hat. Demnach lehnen fünfundfünfzig Prozent der Deutschen die Rechtschreibreform immer noch prinzipiell ab, neun Prozent befürworten sie; einunddreißig Prozent erklären, die Reform sei ihnen egal. Bei der Frage nach den täglichen Problemen mit dem Deutschen entscheiden sich sogar neunundsiebzig Prozent der Teilnehmer für die Aussage „Durch die Rechtschreibreform weiß man bei vielen Wörtern gar nicht mehr, wie sie richtig geschrieben werden". Selbst eine Mehrheit der Reformbefürworter (vierundfünfzig Prozent) teilt diesen Standpunkt.

Quelle:

http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~
E53F1F6FEE6144E8DBC2CC2895FB534F3~ATpl~Ecommon~Scontent.html

 
25. April 2008
Ich kann es ja doch, na also!
Kategorien: Rechtschreibung | Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

Unterricht ganz ohne Zeitgeistiges ...
Oft schon habe ich diese Geschichte erzählt: Mitten im Schuljahr stieß Marco zu uns. Ich war damals Klassenlehrerin in der siebten Klasse einer Hauptschule und unterrichtete diese auch in Deutsch. Damals bereits wurden jene fortschrittlichen Unterrichtskonzepte gepflegt, nach denen regelmäßiges Üben der Rechtschreibung nicht vorgesehen war. Der sogenannte Zeitgeist ist mir immer suspekt gewesen, und so  Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
09. Januar 2008
Pfeiffers Lerntip-Ecke
Kategorien: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis) | Rechtschreibung

Folge 2

Schreiben, wie man spricht

»Sprich das Wort langsam und deutlich, dann weißt du, wie man es schreibt!«

»Vergiss, es: Das ist ein Holzweg!«

»Aber wieso denn?«

»Ich versuche es dir zu erklären.«

Jeder spricht anders, jeder hört anders. Was dem einen ein »o«, ist dem anderen ein »u«. Was dem einen ein »Mass«, ist dem anderen ein »Maahhs«. Der eine hört (oder sagt) »Abfalleimer«, der andere »Apfahlaimer«, der dritte gar »Apfeleimer«. So ist das mit dem Hören und dem Sprechen.
Wer nun versuchen wollte, die richtige Schreibung aus der Sprache abzuleiten, gerät rasch in arge Verlegenheit. Obwohl unsinnig und mit Misserfolgen geradezu verwöhnt, führt diese Methode in der Pädagogik ein fröhliches Dasein, ja der Unsinn ist geradezu von hanebüchener Beharrlichkeit!

Wer kein Schriftbild im Gedächtnis gespeichert hat, kann auch das Wort und seine Bauteile nicht deutlich, auch nicht richtig sprechen und schon gar nicht orthographisch normgerecht schreiben. Da hilft schon eher ein alter Trick, den wir früher eifrig gepflegt haben: das Hinkritzeln des Wortes auf ein Blatt Papier, in verschiedenen Versionen: an das richtige SCHRIFTBILD erinnern wir uns dabei, hören aber kann man Orthographie nicht. Richtiges Schreiben ist eine Sache des Sehens, weil Schrift bekanntlich durch das Auge aufgenommen wird, und nicht durch das Ohr.

Umgekehrt halten wir fest: Wer ein geschriebenes Wort vor sich hat, kann versuchen, es gut artikuliert auszusprechen. Gutes Sprechen kann – neben einer gelungenen Sprecherziehung – auch ein Ergebnis der Schreiberziehung sein! Man hat festgestellt, dass sich die allgemein anerkannte Hochsprache durch die Schrift gefestigt hat. Sprache stützt sich auf die Schrift und »konserviert« sie, nicht umgekehrt. Sie verbindet, denn sie schafft eine Norm, die jeder kennt.

Und was bedeutet dies nun für die Praxis in der Schule?

Dieses:

Schreiben lernen wir durch Lesen.
Schreiben lernen wir durch Schreiben.

Beim Schreiben verbinden wir das Schriftbild mit der Lautfolge, und durch jahrelange Praxis verschmilzt beides: das Schreiben wird zur Gewohnheit, beim Sprechen »sehen« wir das geschriebene Wort vor uns. Die Kenntnis der Schrift verhilft uns zu klaren Wortbildern und zu klarem Denken. Wer nicht richtig schreibt, dessen Denken bleibt unter Umständen unklar und verwaschen wie die unfertigen Wortbilder einer unvollkommenen Rechtschreibung.

Der einzige Weg zu sicherer Schreibkompetenz geht über das Lesen und das Schreiben mit der Hand.
»Und der Computer? Hilft der denn nicht?« – »Ach, vergiss es ...«

    Schau, ein Fluckzeuch!

KARIN PFEIFFER

Dies schreibe ich, um deutlich zu machen, dass kein Weg um das Üben herum führt. Es gibt keine »Technik«, die uns hülfe, das richtige Schreiben einfach nebenbei und aus dem Ärmel zu lernen. Oder mit gutem Willen. Guter Wille ist schon gut, aber er nützt wenig, wenn wir keine Taten folgen lassen: Fernseher aus, Buch auf, lesen und schreiben. Und darüber sprechen. So geht das, meine Lieben!
Schaumahl, da flickt noch wass!
 
17. November 2007
Herbsttagung der Schweizer Orthographischen Konferenz (SOK)
Kategorien: Ereignisse | Rechtschreibung

Zunfthaus zur Waag, Zürich, 31. Oktober 2007 

Ereignisse, die von Presse, Fernsehen und Rundfunk verschwiegen werden, haben nicht stattgefunden, oder etwa doch? Ende Oktober fand eine solche »Nicht-Veranstaltung« in Zürich statt. Ich weiß das, weil ich selbst zugegen war. Behandelt wurde ein Thema, das unangenehm ist, und das man deshalb am liebsten ignorieren würde: die sogenannte »Rechtschreibreform«. 

Die Schweizer Orthographische Konferenz, abgekürzt SOK, arbeitet seit mehr als einem Jahr intensiv an der Wiederherstellung einer einheitlichen und sprachrichtigen Rechtschreibung für Presse und Literatur in der Schweiz. Sie empfiehlt unter anderem, in der Rechtschreibung den Grundsatz »Bei Varianten die herkömmliche« zu befolgen. Mit dieser Forderung steht sie im Einklang mit der Meinung von Zeitungslesern – auch in Deutschland! – , die sich in Umfragen stets mit überwältigender Mehrheit für die herkömmlichen Varianten ausgesprochen haben. (Ebenfalls eine Tatsache, die unter den Teppich gekehrt wird.) In der Schweiz jedoch nimmt man traditionell das Votum der Bürger ernst. Die Arbeit der SOK wird von verantwortlichen Medienschaffenden und namhaften Politikern aktiv unterstützt. Die Herbstsitzung der SOK in prächtigem Ambiente des alten Zunfthauses war für die SOK ein voller Erfolg.

Karin Pfeiffer

Gründungsmitglieder der SOK 

Dr. Christoph Stalder, Großratspräsident des Kantons Bern, hält ein beeindruckendes Referat mit dem Titel »Der Staat und die Sprache«

Pressemeldung

Einheitliche Rechtschreibung
für die Deutschschweizer Presse
Sprachrichtig und einheitlich – Empfehlungen der SOK zur Rechtschreibung

Zürich, 31. Oktober. Auf ihrer Herbsttagung im Zunfthaus zur Waag in Zürich hat die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK) ihre abschliessenden Empfehlungen zur Rechtschreibung vorgelegt.

Auf früheren Tagungen hatte die SOK empfohlen, bei Varianten die herkömmliche zu verwenden. In verschiedenen Bereichen hatte sie überdies empfohlen, die neue Rechtschreibung nicht zu verwenden, beispielsweise bei Umlautschreibungen (behände) und falschen Herleitungen (Quäntchen). Auf ihrer jüngsten Tagung empfahl die SOK nun unter anderem, die Tageszeiten (heute morgen) entgegen der neuen Rechtschreibung klein zu schreiben.

Die Tagung stimmte einer Resolution zu, die die Zeitungen der Deutschschweiz einlädt, die Empfehlungen der SOK im Sinne einer sprachrichtigen und einheitlichen Rechtschreibung zu übernehmen. Der Grossratspräsident des Kantons Bern, Christoph Stalder, gab eine politische Lagebeurteilung zum Thema Staat und Sprache.

Ausgerichtet wurde die Tagung durch den Sprachkreis Deutsch (SKD), die Leitung hatte SOK- und SKD-Präsident Peter Zbinden. Der Ko-Präsident der SOK, Nationalrat Filippo Leutenegger, begrüsste die Teilenehmer über Video.

An der Tagung nahmen verschiedene Zeitungen teil wie die NZZ, der Tages-Anzeiger, das St. Galler Tagblatt, die Schaffhauser Nachrichten, der Landbote, der Walliser Bote und die Schweizer Monatshefte. Unter den Teilnehmern waren ferner weitere Vertreter der Politik wie Nationalrätin Kathy Riklin und Kantonsrätin Eva Nietlispach, Schriftsteller, Sprachwissenschaftler und Verleger sowie die Nachrichtenagentur SDA.

In der SOK sind Vertreter der Presse, der Literatur und der Sprachwissenschaft vereinigt. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, die Sprachrichtigkeit und Einheitlichkeit der Rechtschreibung in Presse und Literatur zu fördern.


 

Peter Müller, Direktor der SDA (Schweizerische Depeschen Agentur) erläutert die Empfehlungen der SOK.

 

  

Dr. Urs Breitenstein, Verleger, referiert über »Die Liebe des Verlegers zur Sprache«.

 

Prof. Dr. Rudolf Wachter (Universitäten Basel und Lausanne) erklärt in seinem humorvollen Vortrag:
»Wie macht man eine Orthographiereform (nicht)?« 

 

Stefan Stirnemann, Lehrer an einem Gymnasium und Mitglied »Sprachkreis Deutsch« löst ebenfalls Heiterkeit bei der Zuhörerschaft aus. Sein Vortrag handelt »Vom Diktieren«.

 

Peter Zbinden, Vorsitzender des Sprachkreises Deutsch, spricht die Schlußworte.

   
  
 

 

 

 
25. September 2007
Lesewettbewerb
Kategorien: Humor | Rechtschreibung
Lest mal laut und ganz schnell die folgenden Wörter — jeder Versprecher kostet fünfzig Cent fürs Sparschwein. (Wenn ihr zusammenlegt, reicht es für einen Band »Lesetraining«!)

Einlassschluss
Schlusssitzungssaal
Esssaalsessel
Flussseeschwalbe
Ausschusssitzung
Schlussszene
Bissstelle
Nasszelle
Landesausschusssitzung
Ortsschlussschild
Erdnussschale
Schlossanlage
Bassschlüssel
Nussschokolade
 

 
27. Juli 2007
Der Schulbuss kommt
Kategorien: Humor | Rechtschreibung

 
16. Oktober 2006
Toleranz auf beiden Seiten
Kategorie: Rechtschreibung

Dringender Wunsch nach Normalisierung

Unzählige Menschen engagierten sich in den vergangenen Jahren aktiv für den Erhalt der klassischen Rechtschreibung. Man möge diese nicht als »falsch« diskriminieren und neben der neuen Rechtschreibung bestehen lassen. Es droht millionenfacher Verlust von Werken, wie sie in »alter« Rechtschreibung private und öffentliche Bibliotheken füllen. Kulturelle Schätze sind damit für die folgenden Generationen verloren, sofern die klassische Schreibweise in den Schulen auch künftig als »falsch« bezeichnet und als minderwertig ausgesondert wird. Wir schneiden das Band der Geschichte entzwei. Ein Kulturbruch mit unvorhersehbaren Folgen ... und Hort dieser Entwicklung ist ausgerechnet die Schulpädagogik! Ein Volk ohne Vergangenheit hat keine Zukunft. Vergangenheit erschließt sich nur durch Quellenstudium. Denn das Gedächtnis der Menschen ist kurz.

Deshalb hoffen wir auf eine Entspannung zwischen »alt« und »neu« — und das allmähliche Entstehen einer Gelassenheit, die beides nebeneinander tolerieren kann. Das Nebeneinander wird sich ohnehin auf lange Sicht nicht ausschalten lassen, wir haben sie de facto schon. Jedoch sollte die herkömmliche Rechtschreibung nicht als »falsch« gelten. Spricht man privat mit Eltern und Lehrern, so äußern sie ihre Unzufriedenheit mit dem jetzigen Zustand. Wir könnten ihn beenden.

Wir wollen ein Kulturgut, wie es das Buch ist, nicht nach seiner Rechtschreibung, sondern nach seinem Inhalt bewerten. Wer Bücher nur deshalb auf die Müllkippe bringt, weil darin das Bindewort »dass« mit Eszett geschrieben wird, handelt unrecht. Wer von uns allen, die sich der Schriftkultur besonders verbunden fühlen, aber im öffentlichen Schuldienst tätig sind, hat nicht im stillen darüber schon einmal nachgedacht? Alle Lehrerinnen und Lehrer seien ermutigt, sich solchen Gedankengängen aller Realität zum Trotz auch weiterhin zu stellen.

Karin Pfeiffer

 
Anmerkung des Verlegers:
Um etwaige Missverständnisse auszuräumen: Die Schüler-Arbeitsblätter der im Stolz Verlag erschienenen Lernhefte sind seit 1996 der jeweils aktuellen Reformschreibung angepasst. Ausgenommen sind Texte von Autoren, die eine Übertragung Ihrer Texte in die Reformschreibung ausdrücklich untersagt haben. 
 

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Veranstaltungen:
12.03.2010 - 13.03.2010
Mittelfränkischer Lehrertag, Schwabach, Karl-Dehm-Schule
16.03.2010 - 20.03.2010
didacta - die Bildungsmesse, Köln, Messegelände



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