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Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

 
02. September 2010
Lesen und Schreiben lernen: einige Grundregeln
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)
 

Wie lernt ein Kind Lesen und Schreiben?
Angestrebt ist eine Automatisierung: Die Schrift wird mit dem Auge erfasst, und zugleich »hört« das Kind einen Laut. Bild und Ton verschmelzen in der Wahrnehmung. Zuerst die Buchstaben, später Silben, dann Wörter und zuletzt ganze Sätze.

Zum Schulanfang ein paar wichtige Hinweise:

• Wir fangen mit Buchstaben an und lautieren. Was man verstehen will, muss erst aufgegliedert werden. Daher: nicht gleich ganze Wörter lernen lassen!

• Wir schreiben nur Buchstaben und Silben, die wir kennen. Nach einer Anlauttabelle schreiben mag vielleicht lustig sein und rasche »Erfolge« vortäuschen, die schwachen Schüler aber bleiben dabei auf der Strecke. (Oder wollen wir dafür sorgen, dass sich die Bildungsschere schon im ersten Schuljahr öffnet?)

• Wir schreiben überhaupt nur Wörter, die wir richtig schreiben können. Das falsche Wortbild prägt sich sonst ein. Richtig schreiben — oder auch falsch! — ist eine Angelegenheit der Gewohnheitsbildung. Man sollte sich nur gute Gewohnheiten angedeihen lassen!

• Wir üben täglich, nicht zu viel und nicht zu wenig.

• Vorlesen und Spielen (Reime, Lieder) dürfen nicht zu kurz kommen. Wir artikulieren dabei sehr deutlich und weisen auch die Kinder an, deutlich zu sprechen. Das Lernen geht über alle Sinne, nicht nur über den Verstand. Emotionale Verknüpfung mit dem Lernstoff ist wichtig. Deshalb hat man früher Reime und Lieder in den Unterricht eingebunden. Das ist etwas in Vergessenheit geraten. Wir helfen der Erinnerung nach!

• Übertreibungen sind gelegentlich notwendig zur Verdeutlichung des Lernstoffes. Das kann man spielerisch verpacken. Kinder spielen gern mit Buchstaben und Wörtern! Spaß beim Spiel ist etwas sehr Ernstes.

• Humor ist die Würze des Lebens — und des Lernens.

Für Fragen stehen wir gern zur Verfügung. Wenden Sie sich an info@stolzverlag.de. Gutes Gelingen im neuen Schuljahr wünscht das Autorenteam vom

STOLZ Verlag

 
 
07. Juli 2010
Schreiben: »bewegte Verlangsamung«
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)
Schreiben: »bewegte Verlangsamung«

»Lesen macht vielseitig, verhandeln geistesgegenwärtig, schreiben genau«, sagte Francis Bacon, englischer Politiker und Philosoph vor etwa 400 Jahren. Während Vielseitigkeit und Geistesgegenwart zweifellos wertvolle Eigenschaften sind, ist die Genauigkeit in Vergessenheit geraten. Man hält sie für nachrangig, dies jedoch zu unrecht. Mangel an Sorgfalt ist die Hauptursache für das Scheitern menschlicher Unternehmungen. Wer nicht genau arbeitet, arbeitet zu schnell, übersieht viel und ist ungeduldig. Oberflächlichkeit aber ist dem Lernen abträglich. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
07. März 2010
Vereinfachte Ausgangsschrift
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)
Eine weitere Zuschrift:

Sehr geehrte Frau Stolz,

ich bin gerade auf Ihr e-book gestoßen. Ich weiß leider nicht, wann es veröffentlicht wurde. Besonders die Sätze am Schluss sprechen mir und meinen Kolleginnen aus dem Bereich der Lerntherapie aus dem Herzen.

Eine unserer Schulmütter, Logopädin, verwies auch noch auf die einseitige Rechtsbeanspruchung nur einer Gehirnhälfte durch die fehlenden Drehrichtungswechsel bei der VA. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
24. Januar 2010
Vereinfachte Ausgangsschrift
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)
Eine Zuschrift:

Sehr geehrte Frau Pfeiffer,

zu meiner größten Freude bin ich als Langzeitkritikerin der Vereinfachten Ausgangsschrift im Internet auf Ihren Beitrag gestoßen und möchte die Gelegenheit nutzen, Ihnen meine Erfahrungen rückzumelden, die sich mit Ihren Erfahrungen / Erkenntnissen decken.

Ich habe in meiner Studienzeit (1982 — 1987) zum ersten Mal Bekanntschaft mit der VA gemacht, die damals noch als Modellversuch laufen sollte. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
21. Dezember 2009
Schreibenlernen am Computer?
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

Es ist immer wieder zu hören, der Computer könne die Kinder von der Mühsal des Schreibenlernens befreien. Da ist doch zu fragen, ob es wirklich ein Fortschritt wäre, wenn die Kinder nur noch am Computer schreiben könnten. Angenommen, ein Kind schreibt mit seiner Hilfe das Wort »Haus«. Da sollte ernsthaft überlegt werden, ob diese Tätigkeit überhaupt die Bezeichnung »schreiben« verdient. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
06. Dezember 2009
Was zum Lernen motiviert
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

 

Die Freude des Lernenden beim Wiedererkennen

Vom Wert der Wiederholung


Welch eine Freude, wenn ein lernendes Kind etwas Bekanntes zwischen all dem verwirrenden Neuen wiedererkennt! Neues zu lernen bedeutet für den Menschen jedes Alters Überwindung. Das Neue bringt Unerwartetes, es fordert Anstrengung  Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
29. Oktober 2009
Grundlagen des schulischen Lernens
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

 

Mit Texten in der Schule lernen

 

Aufmerksam lesen:
Gelesenes geistig aufnehmen und verarbeiten kann nur,
wer sich Zeit läßt und mit dem Text arbeitet. Flüchtiges Lesen bringt außer dem vermeintlichen Zeitgewinn kaum Lernzuwachs.

 

Sich intensiv mit dem Thema befassen:
Lesen, Schreiben, Zeichnen, Nachschlagen, Memorieren, Vortragen – all das fördert die Konzentration des Schülers. Er lernt gleichzeitig, wie man lernt. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
04. Oktober 2009
Rettet die Familie! Antwort auf einen Leserbrief
Kategorien: Politik, Bürokratie und andere Glückseligkeiten | Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

 
foto: pixelio

Die bedrohte Familie

Herr Moitje fragte mich in seiner Zuschrift zu »Rettet die Familie« (15. September 2009):

1. Wie sieht Ihr persönliches Familienbild aus?
2. Warum und wie hat sich Ihrer Meinung nach die Familie vor allem in der letzten Dekade verändert? Sie sprechen hier von Jahrzehnten. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?
3. Wie sehen Ihre persönlichen familienpolitischen Vorstellungen für die Zukunft aus und welchen Beitrag können LehrerInnen für den Erhalt der Familie leisten?


Hier ist meine Antwort

Sehr geehrter Herr Moitje, Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
10. August 2009
Moderne Unterrichtsmethoden - ketzerische Gedanken
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

Fröhliche Fehlersuche

Vorbilder sind out. Das reproduzierende oder nachahmende Lernen ist so gut wie abgeschafft. Der moderne Schüler hat die Aufgabe, schon beim ersten Lernschritt zu erkennen, ob das, was ihm vor das Auge springt und an sein Ohr dringt, richtig oder falsch ist. Zu diesem Zweck werden ihm von außerordentlich dummen Lehr- und Übungsbüchern bewußt fehlerhaft gestaltete Konstruktionen unter die Nase gehalten. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
03. August 2009
Gedanken zum Schulbeginn
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

foto: pixelio

Zum Schulbeginn

Liebe Lehrer, liebe Eltern!

Schulisches Lernen bedeutet, sich einen Stoff geistig einzuverleiben. Dieser Prozess wird in Gang gesetzt durch aufmerksames Lesen, Wiederholen und Memorieren. Es mag für Schüler bequem sein, Kästchen anzukreuzen, Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
14. Mai 2009
Vereinfachte Ausgangsschrift
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)
Anfrage einer Lehrerin:

Betreff:
Vereinfachte Ausgangsschrift

Anfrage:
In unserer Schule haben wir bis jetzt mit guten Erfolgen die Lateinische Ausgangsschrift gelehrt. Nun sind einige junge Kollegen unbedingt für die Vereinfachte Ausgangsschrift. Ich habe bis jetzt keine überzeugenden Argumente dafür gelesen oder gehört. Vieles, was man ihr nachsagte, hat sich nicht bewahrheitet. Hauptargumente sind bei den jungen Kollegen: Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
08. April 2009
Sinn oder Unsinn von Diktaten
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)
Anfrage einer Lehrerin:

Gern lese ich Ihre »Tips« zu einzelnen Themen des schulischen Alltags. Da an unserer Schule das Thema »Diktate - sinnvoll oder Unsinn?« sehr kontrovers diskutiert wird, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir Ihren schon vor längerer Zeit veröffentlichten Text zu dieser Thematik zusenden könnten.

 

Freundliche Grüße

A. K.

Antwort:

Sehr geehrte Frau K.,

sehr gern erfülle ich Ihre Bitte. Ich habe drei Beiträge* aus meinem pädagogischen Blog herausgefiltert und einen vierten beigefügt, der vor einiger Zeit im Newsletter verschickt worden ist. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
03. Februar 2009
Vom Abschreiben
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)
Vom Abschreiben

Kurzes Vorwort

Zu meinen lieben Gewohnheiten zählt das Lesen von Fachliteratur, gleich morgens nach dem Aufstehen. Mein Geist ist dann frisch und aufnahmefähig. Während ich lese, mache ich mir Notizen. Ich schreibe Wörter und ganze Sätze ab, die mich zum Nachdenken anregen. Zu diesem Zweck habe ich ein spezielles Heft angelegt.
Was ich da tue, nennt man Lernen. Ich lerne, indem ich Begriffe wiederhole und mir Sätze einpräge. Dabei erweitere ich meinen Wortschatz, bilde mich sprachlich weiter und versetze mich damit in die Lage, die Welt besser zu verstehen und zu beschreiben. Die Methode, mit der ich dies verfolge, ist das Abschreiben und (stille) Wiederholen. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
22. November 2008
Lesen üben und Legasthenie-Tests
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)
Anfrage einer Mutter:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Sohn geht in die dritte Klasse Volksschule. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir mit einem Rat bezüglich zweier Fragen weiterhelfen könnten.

Erstens: welche Hefte oder Bücher für die 3. Klasse geeignet sind, um sog. Leseproben zu trainieren? Eine Leseprobe besteht aus einem etwa zweiseitigen Text mit anschließenden Verständnisfragen.

Zweitens: Wie kann ich feststellen, ob mein Kind eine Lese-Rechtschreibschwäche hat? Vielen Dank für Ihre Antwort und Hilfe!

Mit freundlichen Grüßen

Annette B.


foto: pixelio
Antwort:

Sehr geehrte Frau B.,

Zu Frage 1:
Sinnerfassendes Lesen üben
Um das Lesen zu üben, eignen sich alle möglichen Arten von Lesetexten. Sie sollen altersgemäß sein, interessant, humorvoll — und nicht zu lang. An diesen Texten kann das Kind das sinnerfassende Lesen üben. Gehen Sie wie folgt vor: Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
01. Oktober 2008
Rechtschreiben lernen in 20 Tagen
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)
Rechtschreiben lernen in 20 Tagen? Das kann doch nur wieder eine enttäuschende Zauberformel sein, die in der Praxis versagt, oder doch nicht? Na ja, in 20 Tagen kann niemand richtig schreiben lernen, aber deutliche Fortschritte sind schon zu erzielen! Und die machen dann Mut zum Weiterüben. Besonders für jene, die ziemlich entmutigt sind, weil sie schon viele Misserfolge gesammelt haben, ist das Üben in kleinen Schritten ein erfolgversprechender Weg. Diesen Beitrag zu Ende lesen »
 
26. August 2008
Die beste Nachhilfe in Deutsch
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

 

Das Problem
Schwierigkeiten beim Lernen des Lesens und Schreibens haben oft eine gemeinsame Wurzel: es fehlt dem Kind die mündliche Sprachkompetenz. Lesen und Schreiben setzt das Vorhandensein eines abstrakten Denkvermögens voraus. Doch wie soll diese entwickelt werden, wenn das betroffene Kind zu wenig Möglichkeit zum Sprechen und Erzählen hatte und hat? Kinder, die einen Großteil ihrer Zeit vor plappernden Bildschirmen verbringen, haben keine Möglichkeit zur Kommunikation. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
27. Juni 2008
Weshalb wir Handschrift pflegen sollten (Teil II)
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

Die eigene Handschrift zu verbessern, dafür ist es nie zu spät. Schauen wir einmal, was dazu alles nötig ist:

Das Schreibmaterial

Hilfreich sind Bleistift, Buntstift, Wachsmaler, Filzstift, Füller. Von Kuli oder Tintenroller ist abzuraten. Sie setzen der Handmotorik zu viel bzw. zu wenig Gleitwiderstand auf dem Papier entgegen. Radiergummi und Tintenkiller mögen nützlich sein für die Schreibpraxis; zum Üben der Handschrift schließen wir beides fort, denn ihre Benutzung stört Ablauf des Schreibens. Wer sich verschreibt, Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
22. Mai 2008
Weshalb wir Handschrift pflegen sollten (Teil I)
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)
Rückgabe der Klassenarbeit in einem achten Schuljahr. Die Aufsatzhefte werden verteilt. Mit Spannung schlägt jeder Schüler das Heft auf, sobald er es vor sich liegen hat. Ein schlacksiger Blonder ist aufgestanden und tritt mit dem offenen Heft ans Pult, wo der Lehrer noch einige Eintragungen in das Klassenbuch vornimmt.
»Was heißt das?« Der Schüler deutet mit dem Finger auf die rote Schreibe unter seiner Arbeit. Diesen Beitrag zu Ende lesen »
 
25. April 2008
Ich kann es ja doch, na also!
Kategorien: Rechtschreibung | Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

Unterricht ganz ohne Zeitgeistiges ...
Oft schon habe ich diese Geschichte erzählt: Mitten im Schuljahr stieß Marco zu uns. Ich war damals Klassenlehrerin in der siebten Klasse einer Hauptschule und unterrichtete diese auch in Deutsch. Damals bereits wurden jene fortschrittlichen Unterrichtskonzepte gepflegt, nach denen regelmäßiges Üben der Rechtschreibung nicht vorgesehen war. Der sogenannte Zeitgeist ist mir immer suspekt gewesen, und so  Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
21. April 2008
In der Schule gibt's keine Kuckucksuhren
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

Was immer gelernt werden soll: zunächst muss der Lerngegenstand in kleine Einheiten zerlegt werden. Wenn die einzelnen Teile erkannt sind, in ihrer Einfachheit vertraut werden, können sie wieder zu einem Ganzen zusammengesetzt werden. Der ernsthaft Lernende macht es wie der Knabe zu jenen glücklichen Tagen, als die Welt noch mechanisch war: er zerlegt mit neugierigem Eifer die Kuckucksuhr. In der modernen Schule gibt es jedoch keine Kuckucksuhren. 

Die Beschäftigung mit abstrakten Lernstoffen ist trocken und in der Regel langweilig, das lässt sich nicht fortreden, auch nicht mit Beschwörung von Spaß und Trallala. Freude kommt trotzdem auf, meist erst im Nachhinein: wenn wider Erwarten etwas klappt, eine weitere Stufe erklommen wurde. Beispiel Grammatik: Kenntnis der wichtigsten Begriffe der Sprachlehre und die grundlegenden Funktionszusammenhänge verhelfen zu gehobener Ausdrucksweise und bilden allmählich das, was wir Sprachkompetenz nennen. Der Schüler lernt, sich mündlich und schriftlich gewandt auszudrücken.

Grammatische Basiskenntnisse werden durch das Sprechen erworben. Jedes Kind hat, ehe es zum erstenmal etwas von Subjekt, Prädikat usw. gehört hat, bereits einen Erfahrungsschatz an grammatischem Grundwissen gesammelt, den es intuitiv anwendet. Dem Kind fehlen dafür nur die Fachbegriffe. Diese lernt es in der Schule, indem es die Kuckucksuhr — also die Sprache — auseinandernimmt. Es bestimmt die einzelnen Wörter und baut sie dann wieder zu Sätzen zusammen.

Immer fangen wir beim Einfachen an, damit wir uns später an das Komplexe und scheinbar Komplizierte heranwagen können. Beim Lernen helfen gute und klar aufgebaute Übungen. Um noch einmal das Beispiel Grammatik aufzugreifen: Mit Hilfe von Regeln und Tabellen kann sich der Schüler eine Übersicht verschaffen, auf deren Basis erfolgreiches Lernen möglich ist. Zum Erlernen einer Fremdsprache sind grundlegende Kenntnisse der Grammatik nicht nur hilfreich, sondern die Voraussetzung.

Karin Pfeiffer
 
14. März 2008
Sprache beherrscht, wer Begriffe kennt
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

Wer sich selbst aufmerksam beobachtet, wird dieses Aha-Erlebnis kennen:

Da sagt einer etwas, und man nickt erleichtert und freut sich: „Ja, so habe ich das auch immer empfunden, aber bloß nicht zu sagen gewusst!" Nicht ausdrücken können, weil die Begriffe gefehlt haben, mit denen man sich hätte mitteilen sollen. Kleinkinder machen sich nur durch Brabbeln und Schreien verständlich. Wem Worte fehlen, dem fehlt die Möglichkeit zur mündlichen und schriftlichen Kommunikation. Er ist, jenseits der Kultur, darauf angewiesen, sich in primitiver Art und Weise verständlich zu machen. Und hier gibt es deutliche Grenzen!
Schule hat die Aufgabe, unsere Kinder in Sprache zu unterweisen, damit sie sich differenziert ausdrücken lernen. Die Fähigkeit, sprachrichtig und gewandt zu kommunizieren, muß gelernt und jahrelang geübt werden, sie ist nicht angeboren, kommt nicht von allein und benötigt vor allem das lebendige Vorbild.

Sprachgewandtheit erwirbt das Kind auf diese Weise:
• Zuhören (Gespräch, Gedicht, Geschichten vorlesen)
• Gemeinsamer Gedankenaustausch (Gespräch)
• Lesen und Schreiben
• Auswendiglernen (Gedichte, Sätze, Fachbegriffe, Sachwissen)
• Zu jemandem sprechen (Erzählen, Berichten, Vortragen)
• Denken (sprachliche Gedankenwelt, Phantasie)

Der Computer und das Fernsehen tragen nicht zur Entwicklung der Sprache bei, sie behindern eher als sie nützen.

Fünf goldene Ratschläge für Lehrer und Eltern: 
  1. Sprechen Sie so viel wie möglich mit den Kindern – allerdings sollte sich dieses Sprechen nicht nur auf der Ebene des Unterweisens und Korrigierens bewegen, sondern sich aus gemeinsamen Tätigkeiten heraus entwickeln.
  2. Pflegen Sie eine vorbildliche Kommunikationskultur. Hören Sie dem Kind aufmerksam zu, wenn es etwas erzählt! Korrigieren Sie indirekt durch Wiederholung der Inhalte, die Sie wie nebenbei richtigstellen (eine Methode, die von Müttern gegenüber ihren Kleinkindern meist intuitiv verwendet wird).
  3. Seien Sie in all dem, was Sie vom Kind wünschen, Vorbild! Kinder ahmen alles nach, sie unterscheiden nicht zwischen gewünschten und unerwünschten Verhaltensweisen.
  4. Lesen Sie, anstatt sich aus der Fernsehkonserve zu bedienen. Schreiben Sie öfter etwas mit der Hand, anstatt dies den Computer erledigen zu lassen. Übertragen Sie die Verantwortung für richtiges Schreiben nicht auf die Maschine (Korrekturprogramm des Computers).
  5. Legen Sie auf das Üben größten Wert! Ohne Übung im Lesen und Schreiben lernt niemand das Lesen und Schreiben, auch wenn das von einschlägiger Seite oft propagiert wird. Oft steckt dahinter ein wirtschaftliches Interesse. Üben und Lernen braucht seine Zeit. Haben Sie Geduld mit und Zuvertrauen in das Kind! Die Früchte der Bemühungen werden dann umso erfreulicher ausfallen. Wer den Erfolg haben will, benötigt einen langen Atem.

Karin Pfeiffer

 
09. Januar 2008
Pfeiffers Lerntip-Ecke
Kategorien: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis) | Rechtschreibung

Folge 2

Schreiben, wie man spricht

»Sprich das Wort langsam und deutlich, dann weißt du, wie man es schreibt!«

»Vergiss, es: Das ist ein Holzweg!«

»Aber wieso denn?«

»Ich versuche es dir zu erklären.«

Jeder spricht anders, jeder hört anders. Was dem einen ein »o«, ist dem anderen ein »u«. Was dem einen ein »Mass«, ist dem anderen ein »Maahhs«. Der eine hört (oder sagt) »Abfalleimer«, der andere »Apfahlaimer«, der dritte gar »Apfeleimer«. So ist das mit dem Hören und dem Sprechen.
Wer nun versuchen wollte, die richtige Schreibung aus der Sprache abzuleiten, gerät rasch in arge Verlegenheit. Obwohl unsinnig und mit Misserfolgen geradezu verwöhnt, führt diese Methode in der Pädagogik ein fröhliches Dasein, ja der Unsinn ist geradezu von hanebüchener Beharrlichkeit!

Wer kein Schriftbild im Gedächtnis gespeichert hat, kann auch das Wort und seine Bauteile nicht deutlich, auch nicht richtig sprechen und schon gar nicht orthographisch normgerecht schreiben. Da hilft schon eher ein alter Trick, den wir früher eifrig gepflegt haben: das Hinkritzeln des Wortes auf ein Blatt Papier, in verschiedenen Versionen: an das richtige SCHRIFTBILD erinnern wir uns dabei, hören aber kann man Orthographie nicht. Richtiges Schreiben ist eine Sache des Sehens, weil Schrift bekanntlich durch das Auge aufgenommen wird, und nicht durch das Ohr.

Umgekehrt halten wir fest: Wer ein geschriebenes Wort vor sich hat, kann versuchen, es gut artikuliert auszusprechen. Gutes Sprechen kann – neben einer gelungenen Sprecherziehung – auch ein Ergebnis der Schreiberziehung sein! Man hat festgestellt, dass sich die allgemein anerkannte Hochsprache durch die Schrift gefestigt hat. Sprache stützt sich auf die Schrift und »konserviert« sie, nicht umgekehrt. Sie verbindet, denn sie schafft eine Norm, die jeder kennt.

Und was bedeutet dies nun für die Praxis in der Schule?

Dieses:

Schreiben lernen wir durch Lesen.
Schreiben lernen wir durch Schreiben.

Beim Schreiben verbinden wir das Schriftbild mit der Lautfolge, und durch jahrelange Praxis verschmilzt beides: das Schreiben wird zur Gewohnheit, beim Sprechen »sehen« wir das geschriebene Wort vor uns. Die Kenntnis der Schrift verhilft uns zu klaren Wortbildern und zu klarem Denken. Wer nicht richtig schreibt, dessen Denken bleibt unter Umständen unklar und verwaschen wie die unfertigen Wortbilder einer unvollkommenen Rechtschreibung.

Der einzige Weg zu sicherer Schreibkompetenz geht über das Lesen und das Schreiben mit der Hand.
»Und der Computer? Hilft der denn nicht?« – »Ach, vergiss es ...«

    Schau, ein Fluckzeuch!

KARIN PFEIFFER

Dies schreibe ich, um deutlich zu machen, dass kein Weg um das Üben herum führt. Es gibt keine »Technik«, die uns hülfe, das richtige Schreiben einfach nebenbei und aus dem Ärmel zu lernen. Oder mit gutem Willen. Guter Wille ist schon gut, aber er nützt wenig, wenn wir keine Taten folgen lassen: Fernseher aus, Buch auf, lesen und schreiben. Und darüber sprechen. So geht das, meine Lieben!
Schaumahl, da flickt noch wass!
 
27. Dezember 2007
Anfrage einer besorgten Mutter
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)
Vor Weihnachten erreichte uns die Anfrage einer besorgten Mutter. Da der Betreff von allgemeinem Interesse sein dürfte, veröffentlichen wir hiermit die Antwort der Pädagogin und Autorin Karin Pfeiffer.

Anfrage

Betreff:
Lese-Tests/Geschichten schreiben


Hallo,

mein Sohn (3. Klasse) hat Schwierigkeiten mit sogenannten Lese-Tests. Es sind DIN-A4 große Texte zum Lesen mit anschließenden Fragen zum Beantworten (nicht zum Ankreuzen, sondern in ganzen Sätzen zu schreiben).
Haben Sie Material zum Üben für dieses spezielle Problem?

Zweites Problem: Geschichten schreiben
Er schreibt wild durcheinander, teilweise ohne richtige Satzbildung. Wie soll man das üben? Welches Ihrer Hefte wäre richtig dafür? Bitte schicken Sie mir kurzfristig eine Info.

Vielen Dank für Ihre Mühe beim Raussuchen.

N. W.

Sehr geehrte Frau W.,

wir müssen zunächst folgendes feststellen: Eine gute Lesefertigkeit ist das Ergebnis aus Konzentration und Übung. Ihr Sohn dürfte, wie die meisten heutigen Kinder, bereits an einem Übungsmangel leiden. Dazu kommt eine Konzentrationsschwäche durch Reizüberflutung.

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20. November 2007
Pfeiffers Lerntip-Ecke
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

Folge 1

Lesen, Wiederholen, Lernen

Unsere Schüler werden von allen Seiten mit praktischen Tips* zum Lernen überhäuft. Hier ein Beispiel aus einer Website zum Thema Lernen: »Den in der Schule gelernten Stoff am Nachmittag wiederholen. Einfaches, kurzes Durchlesen wirkt Wunder.«

Wollen wir diesen Satz mal auseinandernehmen? Dann also los!

Richtig ist die Aufforderung, den Lernstoff zu wiederholen. Wiederholung ist Voraussetzung für alles Lernen. Das also ist völlig in Ordnung. Der zweite Satz aber bedient wieder einmal die pädagogische Windmaschine, derzufolge jedweder Erfolg ohne Anstrengung erzielt werden könne. »Einfaches, kurzes Durchlesen wirkt Wunder.«

Ein Wunder wäre es tatsächlich, wenn sich der Mensch durch bloßes, mechanisches Lesen Wissen und Fertigkeiten aneignen könnte. Hier liegt der Hase im Lernpfeffer!

Lesen und Lesen sind zweierlei. Es gibt Personen, welche beim rein mechanischen Lesen das Gehirn völlig abschalten können. Ah – kommt Ihnen das bekannt vor? Das Kind hat den Text laut gelesen und kann anschließend so gar nichts über dessen Inhalt sagen. Da haben wir’s! Aneignendes Lesen setzt einen wachen Verstand voraus, der den Inhalt geistig verarbeitet. »Mitdenken« nannte man das früher. Der Vorgang des Verarbeitens von Material oder geistiger Materie kann nirgendwo im Leben ohne Aufwand von Energie erfolgen. Aktives Lesen, bei dem nachher etwas mehr als ein »Ich weiß nicht« übrigbleiben soll, ist ein geistig herausfordernder, anstrengender Akt. Die anbiedernden und dümmlichen Lockvokabeln »kurz« und »einfach« führen denjenigen, der ihnen Glauben schenkt, in die Sackgasse.

Beobachten wir einmal einen aktiv Lesenden beim Studium von Fachliteratur:

  • er gerät immer wieder ins Stocken, legt für einen Moment den Text beiseite, schaut in die Luft (in sich hinein)
  • die Lippen können sich dabei bewegen, denn es wird heftig memoriert und nachgedacht.
  • er unterstreicht und kritzelt etwas in das Buch oder auf ein Stück Papier
  • er liest in Ruhe und Geduld zu Ende

Allein auf diese Weise – und nur so! – wird ein Zugewinn an Wissen erzielt. Aktiv lesen heißt mitdenken, Wörter und Sätze auswendig wiederholen, innerlich Fragen stellen, Aha- oder Déjà-vu-Erlebnisse goutieren (anders ausgedrückt: sich über plötzliche Erkenntnisse freuen oder sich an etwas früher Gelerntes erinnern). Lesend lernen und Wiederholen ist echte Arbeit. Einfach »schnell mal durchlesen« kann natürlich auch etwas bewirken, aber »Wunder« sind es gewiss nicht!

KARIN PFEIFFER

*Ich ziehe die Schreibweise »Tip« dem vielfach verwendeten »Tipp« vor, denn der Begriff kommt aus dem Englischen: „tip“ = Hinweis. Weil ich die englische Sprache liebe, möchte ich daraus kein reformdeutsches „Tipp“ machen müssen.
 
20. Oktober 2007
Ordner oder Schulheft?
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)
Sollen Kinder mit Heften oder mit Ordnern lernen und arbeiten?

Vorteile des Ordners

  • Arbeitsblätter, Texte, Zeichnungen lassen sich leicht einreihen und umordnen
  • schlecht gelungene Blätter können ausgewechselt werden
  • es lassen sich mehrere Abteilungen bilden, die zum Abheften verschiedener Lernfächer dienen

Nachteile des Ordners

  • verlangt viel Ordnungssinn und Selbstüberwindung beim Ordnen
  • verführt zu Flüchtigkeit und ungeordnetem Abheften
  • verführt zu schlampigem Abheften (keine oder schlechte Lochstanzung der Blätter)
  • ist voluminöser und beim Blättern unhandlich
  • erschwert die Übersicht bei Nachlässigkeit in der Ordnung
  • erzeugt möglicherweise eine nachlässige Einstellung zur Ordnung, da diese nicht bindend und endgültig ist

Vorteile des Schulheftes

  • ist leicht und handlich
  • erzieht zu Sorgfalt in Schrift und Platzeinteilung
  • Reihenfolge der Seiten bleibt immer dieselbe
  • Einträge erfolgen der Reihe nach: das Heft besitzt sowohl eine unveränderbare Chronographie als auch Chronologie; für das Lernen ist das vorteilhaft
  • Der bindende Charakter des Schulheftes verleiht ihm einen wertvolleren Rang, als dies bei losen Blättern der Fall ist

Nachteile des Schulheftes

  • unflexibel, zwingt zu Arbeitsformen, die im modernen Unterricht zu selten gepflegt werden
  • fehlerhafte Seiten können nicht entfernt oder ausgetauscht werden
  • Bilder oder zusätzliche Informationsblätter können nicht dazwischengeheftet werden
  • für Lehrerkontrolle muß das ganze Heft abgegeben werden und steht dem Schüler für die Zeit Korrektur nicht zur Verfügung

Viele Lehrer und Eltern kennen das Problem mit überquellenden und unvollständigen Ordnern. Die meisten Kinder im Grundschulalter sind damit überfordert. In der Schultasche sammeln sich dann verknitterte, verschmutzte und zerrissene Arbeitsblätter. Dies prägt die kindliche Einstellung zum Lernen negativ. Wer sich von Beginn an für Ordner und Sammelhefter entscheidet, muß beim Einordnen helfen und ständig kontrollieren. Mit Erklärungen allein ist nichts erreicht. Es gilt, positive Gewohnheiten zu bilden.
Man könnte darüber nachdenken, ob in der Grundschule nicht doch dem Schulheft der Vorrang eingeräumt werden soll. Armin Beeler* sagt dazu: „Das Heft erfordert mehr Sorgfalt und überlegte Gestaltung, denn man reißt ja weniger schöne Seiten nicht einfach heraus. Man kann sowohl mit dem Ordner wie mit dem Heft zu Selbständigkeit in der Führung seiner Schriften anleiten. Ich ziehe Hefte vor, weil sie die Gestaltung bewußter fordern."*

(*Armin Beeler in: „Wir helfen zu viel", Beiträge zur Unterrichtspraxis, Klett und Balmer Verlag, Zug 1999, Seite 71)

 
23. September 2007
»Mach ich doch mit links!«
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

 


foto: pixelio

Die Fähigkeit zur sicheren Unterscheidung von rechts und links ist für das Lernen sehr wichtig. Wenn ein Kind Probleme mit der Zuordnung hat, können wir ihm helfen — und zwar mit einem kleinen Trick: Wir üben intensiv nur eine einzige Richtung! Wir vermeiden alles, was das Kind durcheinanderbringt, bis es sicher ist bei dem, was es tut: das ist meine rechte Hand, das ist mein rechter Fuß, ich hüpfe jetzt nach rechts, ich zwinkere mit meinem rechten Auge ... wenn wir die immer gleiche rechte Seite üben, gibt es bald keine Probleme mehr — auch nicht mit links!

»Mach ich doch mit links«
aus: Textwerkstatt Lesen kinderleicht

 
07. Juli 2007
Eine häufig begangene »Todsünde« beim Üben der Rechtschreibung
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

Die Gegenüberstellung von Wörtern mit gleich und ähnlich klingenden Laute ist eine Übungsform, die sich ungeheuer großer Beliebtheit erfreut. Rechtschreibaufgaben nach dem Muster d oder t, chs oder x, -ich, -isch oder ig usw. sind so gut wie in jedem Lehrwerk für Rechtschreibung zu finden. Völlig ungeniert stehen hier sehr ähnliche Lerninhalte nebeneinander – offensichtlich erwarten die Produzenten solcher »Lernhilfen«, daß unsere Kinder etwas dabei lernen. Doch das Ergebnis ist, daß sie für die gesamte Schulzeit und wahrscheinlich ihr ganzes Leben lang Probleme mit genau diesen Lerninhalten haben werden.

Seit jeher warnen verantwortungsbewußte Pädagogen vor der Methode der Gegenüberstellung ähnlicher Lerninhalte, stiftet sie beim Schüler doch nichts als Unsicherheit und Irrtum. Wer im Schreiballtag die Schreibweisen s, ss oder ß nicht auseinanderhalten kann, wird kaum von einer plötzlichen Schreibsicherheit heimgesucht, wenn wir ihn gerade vor diese Alternativen stellen. Seine wachsende Verwirrung ist als »Ranschburg-Phänomen« bekannt. Das Ranschburg-Phänomen ist die 1902 von dem ungarischen Psychologen Pál Ranschburg nachgewiesene Hemmung des Gedächtnisses bei der Reproduktion von ähnlichen Lerninhalten durch Mangel an gestaltlicher Differenzierung. Sprich: Wenn ich mir gleichzeitig verschiedene Inhalte merken will, die einander ähnlich sind, dann komme ich leicht durcheinander – und je unsicherer ich mich auf dem dargebotenen Lernbereich bewege, umso mehr Ähnlichkeitshemmung wird mich plagen.
(Übrigens bietet uns die sogenannte Rechtschreibreform ein anschauliches Beispiel für die Ranschburg-Hemmung: die jetzt selbst in Zeitungen und Zeitschriften zu beobachtende Verwechslung von »das / dass« hat seine Ursache in der beim flüchtigen Hinschauen »gleichen« Wortgestalt von das/dass – vormals konnte man die beiden Wörtchen optisch besser unterscheiden: das / daß.)

Ein Kind, das ständig gegenüberstellende Aufgaben vorgesetzt bekommt, wird nichts dazulernen – im Gegenteil. Tragisch sind die psychologischen Folgen: es wird zu dem Schluß kommen, es sei zu dumm, um die richtigen Schreibweisen zu behalten. Wie soll dieses bedauernswerte Kind wissen, daß der Mangel nicht bei ihm selbst liegt, sondern daß die Methode selbst »dumm« ist! Die verflixten Gegenüberstellungen haben schon ganze Schreibgenerationen für sicheres und selbstsicheres Schreiben endgültig verdorben.

Einzig als Test ist diese Methode erlaubt und erfüllt dort auch seinen Zweck – wenn getestet werden soll, wie sicher die Schüler in der Anwendung richtiger Schreibweisen sind. Dennoch: es gibt auch bessere „Testmethoden" und die Darbietung gehäufter Rechtschreibprobleme entbehrt der Sinnhaftigkeit. Beim Schreiben in Beruf und Alltag werden solche »Gemeinheiten« nicht auftauchen. Die Schule soll aber doch für das normale Leben vorbereiten, und nicht für ein Rechtschreibkuckucksheim. Gegenüberstellungen sind daher im Grunde eine künstliche und höchst überflüssige Darbietung des Lernstoffes.

 
  

Fazit: Wer wünscht, daß sein Kind in der Rechtschreibung Fortschritte macht, lasse es mit gewöhnlichen und nicht künstlich verkomplizierten Texten üben – und darüber hinaus übe man sich als Erwachsener in Geduld! Gute Dinge wachsen langsam.
Als Übungsform für Schüler mit ungefestigter Rechtschreibung seien Gegenüberstellungen mit gleich- und ähnlichklingenden Buchstaben streng tabu. Fort damit!

 
  
 
12. Juni 2007
Zahlendreher vermeiden
Kategorie: Aktueller Lerntip (tip = englisch für Hinweis)

von Karin Pfeiffer

Mathematik und Leseverständnis hängen eng zusammen.
Deutlich wird das bei Sachaufgaben.
Denken wir an die Ziffernschreibung im Deutschen:

Beispiele

die Zahl 28
wir schreiben: zwei acht
wir sagen: acht und zwanzig


Die Zahl 45825
wir schreiben: vier fünf acht zwei fünf
wir sagen: fünf und vierzig tausend acht hundert fünf und zwanzig
(würde man dies schreiben, bekäme man das: 540000800520)

Wir Erwachsenen sind geübt darin, die Zahlen richtig herum zu setzen, dass uns die Schwierigkeit nicht mehr bewusst wird. Für manche Kinder ist das aber eine Falle, die sich auftut, wenn nicht von Anfang an konsequent das Ziffernschreiben geübt wird.

Leider verlieren manche Pädagogen dieses grundsätzliche Problem aus dem Blickfeld. Wer denkt bei einem 15jährigen schon daran, dass er die Grundlagen der Ziffernschreibung nicht verinnerlicht hat? Gelingt es doch manchem Schulkind, sich selbst mit bescheidenen Grundlagenkenntnissen im Lesen, Schreiben und Rechnen erfolgreich durch mehrere Schuljahre »hindurchzumogeln«. Das soll nicht negativ klingen und ist schon gar keine Kritik am betroffenen Schüler. Der Umstand sollte uns allerdings zum Nachdenken anregen. Wo das Fundament fehlt, kann man kein Haus bauen. Die Schule ist für das Fundament zuständig.

Mit Beginn des Mathematikunterrichts in der Grundschule soll deshalb täglich das laute Lesen von Ziffern und Zahlen gebührend geübt werden. Zahlen nach Diktat aufschreiben zu lassen, ist eine Lehrmethode, die nicht aufgegeben werden darf. Das Schreiben von Ziffern wird heute vernachlässigt. Zum einen deshalb, weil Kinder in fertige Arbeitsblätter-Vordrucke nur noch vereinzelte Ziffern einzufüllen haben. Zum anderen, weil sie oft auch am Computer rechnen. Das Zahlentippen auf der Tastatur aber verhilft nicht zu einer gefestigten Beziehung zwischen geschriebener zur gesprochener Zahl. Über das Schreiben mit der Hand und dessen Wichtigkeit für die Entwicklung von Intelligenz und Literalität habe ich an anderer Stelle bereits Anmerkungen gemacht.

Zusammenfassung:

Auch das Schreiben von Zahlen will gelernt und geübt sein. Damit die Schüler im Mathematikunterricht der höheren Klassen den Anschluss nicht verpassen, muss der Unterricht vom ersten Schuljahr an folgende Methoden anwenden:

• Schreiben von Ziffern im inhaltlichen Zusammenhang
• systematische Durchführung von Zahlendiktaten
• Vermeidung von bloßem Lückenfüllen, dafür umso mehr handschriftliches Rechnen
• Lautes Vorlesen von Rechenaufgaben und Lösungen

Last not least:
Geduld sowie Humor helfen auch über die höchsten Klippen hinweg!


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Veranstaltungen:
27.10.2010 - 29.10.2010
WORLDDIDAC, Messezentrum Basel



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