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Weshalb wir Handschrift pflegen sollten (Teil II)

 
16. November 2016
Weshalb wir Handschrift pflegen sollten (Teil II)
Kategorie: Schriftkultur

Die eigene Handschrift zu verbessern, dafür ist es nie zu spät. Schauen wir einmal, was dazu alles nötig ist:

Das Schreibmaterial

Hilfreich sind Bleistift, Buntstift, Wachsmaler, Filzstift, Füller. Von Kuli oder Tintenroller ist abzuraten. Sie setzen der Handmotorik zu viel bzw. zu wenig Gleitwiderstand auf dem Papier entgegen. Radiergummi und Tintenkiller mögen nützlich sein für die Schreibpraxis; zum Üben der Handschrift schließen wir beides fort, denn ihre Benutzung stört Ablauf des Schreibens. Wer sich verschreibt, setzt einfach neu an und wiederholt den Bewegungsablauf so oft hintereinander, bis dieser automatisiert ist. Das ist fast schon das ganze Geheimnis.

Erste Schritte und weitere Materialien

Ist die Handschrift sehr schlecht, wird zum Üben noch einmal die Reset-Taste gedrückt: Grundlegende motorische Übungen (Schwungübungen, Lockerungsübungen) stehen am Beginn. Großflächige Schwünge in die Luft, auf die Bank, auf Papier – all das lockert die Schreibhand und bereitet den Körper auf die Feinbewegungen vor. Solche Schwungübungen sollen vor jeder Schreibstunde praktiziert werden, denn auch die kleinsten motorischen Bewegungen im Gehirn haben ihren Ursprung in Bewegungen unseres ganzen Körpers. Das Gesagte gilt für Übende jeden Alters.
Tägliches Üben ist Voraussetzung für dauerhaften Erfolg. Die Schreibbewegung wird stabilisiert. Erst, wenn beim Schreiben nicht mehr über Buchstabenformen nachgedacht wird, kann sich der Übende auf schöne Formen und flinkes Schreiben konzentrieren. Hilfreich sind zu diesem Zweck neben dem oben erwähnten Schreibmaterial folgende Arbeitsmittel:
• großer Zeichenblock
• unlinierter Schreibblock
• Schreibheft mit Erstklasslineatur
• Liniertes DIN A4-Heft

Abkürzungen führen nicht schneller zum Ziel!

Manche Übungshefte fordern den Lernenden dazu auf, Lücken zu füllen: Buchstaben, Silben, Wörter. Dieser pädagogischen Eselei sollte man widerstehen. Wird der Schneiderlehrling lernen, ein Kostüm herzustellen, wenn er immer nur Knöpfe annäht? Wird die Schülerin der Hauswirtschaft ein Menü kochen lernen, wenn sie ausschließlich Kartoffeln schält und Suppe umrührt? Wird der Pianist je eine Sonate spielen können, wenn er nur einzelne Takte klimpert, während der Großteil der Musik aus einer Musiktruhe ertönt? Machen wir uns nichts vor: schreiben zu lernen, und zwar im Sinne des Begriffes, gelingt keinesfalls dadurch, indem einfach nur einige Lücken mit Buchstaben aufgefüllt werden. Man kann den Schulkindern das Üben nicht ersparen. Gewisse Buchstaben und Buchstabenverbindungen müssen im Unterricht reihen- und seitenweise geübt werden. Regelmäßiges Abschreiben und Schreiben nach Diktat sind weitere Übungen, die in den ersten Schuljahren ihren festen Platz auf dem Stundenplan haben müssen. Es hilft nicht, wenn allseits Klagen über schlechte Handschrift und mangelhafte Rechtschreibung (beides beeinflußt einander) laut werden, jedoch niemand etwas zur Behebung der Mängel unternimmt.

Guter Wille allein genügt nicht

Absichtserklärungen und guter Wille ehren zwar, sind aber für sich allein kein Erfolgsrezept. Auch mit theoretischem Wissen und klugen Vorhaltungen wird man keine gute Handschrift hervorbringen können. Es hilft eben nur eines: das was man lernen will, muß man tun. Oft tun. Immer wieder tun. Täglich tun. Womit wir bei der nächsten Frage sind. 

Wieviel soll geübt werden?

Nicht zuviel auf einmal! Dafür aber regelmäßig. Eine Seite - oder auch eine halbe Seite - pro Tag. Übermaß schadet, Eile schadet! Werden Schreibaufgaben flüchtig erledigt, um sie rasch hinter sich zu bringen, sollte man es gleich sein lassen - solche Übungszeit ist falsch investiert. Fortschritte lassen sich allein durch regelmäßiges und konzentriertes Üben erreichen. Dafür ist eine gewisse Zeitspanne fest einzuplanen. Der Zeitplan ist nach Möglichkeit einzuhalten.

Kleine Nachbemerkung

Beim Schreiben ist auf Sauberkeit im Schreibheft zu achten: Knitterstellen, Flecken, Eselsohren, Schmierereien und Kritzeleien, herausgetrennte und abgerissenen Blätter verraten eine nachlässige Einstellung. In sorgsamer Behandlung von Heften und Schreibmaterial drückt sich eine gewisse Achtung vor geistigen Werten aus. Auch die postive innere Einstellung zum Lerngegenstand ist eine Voraussetzung für erfolgreiches Lernen. Eine weitgehend fehlerfreie und ästhetische Handschrift weckt beim Leser Wohlwollen. Eine flüssige und formschöne Handschrift beweist Bildung und ist ein Stück Kultur, die nicht aus Bequemlichkeit auf dem Altar der Technik geopfert werden darf.

Karin Pfeiffer

Hier geht es zu Teil I >>

 
 

Übungsmaterial zum Schreiben:

Damit du es lesen kannst (Grundschule)
Handschrifttrainer (ab 5. Klasse)
Schreibschule der deutschen Schrift (ohne Alterseinschränkung)


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