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Archiv: April 2009

 
28. April 2009
Kinder: überfordert und unterfordert zugleich
Kategorien: Schule | Erziehung

Kinderschutz, Eigennutz, Nutzlosigkeit

Vor etwa zweihundert Jahren wurden Kinder als kleine Erwachsene begriffen, und man steckte sie in Erwachsenenkleider. Was die Kleidung betrifft, hat sich vieles geändert, bequem, pflegeleicht und kindgerecht sind die Sachen zum Anziehen.
Während unsere Gesellschaft Kindern einerseits den Status zugesteht, dem größtmögliche Rücksicht gebührt, überfordert sie den Nachwuchs in anderen Bereichen. Diese Feststellung bedarf der Erklärung.   Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
24. April 2009
Notausgang Sprache
Kategorien: Erziehung | Besinnliches

Aktive Kenntnis der Sprachbegriffe

In unserer Sprachkultur entscheidet nicht die körperliche Gewalt, sondern es regieren die Worte. Am besten behauptet sich, wer möglichst viele Begriffe im aktiven Wortschatz bevorratet. Passives Sprachverständnis ist zwar besser als gar nichts zu verstehen, doch entscheidend ist letztlich, ob im praktischen Leben das jeweils passende Wort zur Verfügung steht. Ein Mensch mit mangelhafter Kenntnis der Wörter und ihrer Bedeutungen wird sich schlecht behaupten können, denn es fehlt ihm die Möglichkeit, seine Wünsche auf die übliche und allgemein anerkannte Weise zu artikulieren.

Was tut Robinson auf der Insel, wenn er einen Wunsch verspürt? Er greift nach dem Objekt seiner Begierde, eignet es sich wortlos an. Er braucht keine Rücksicht auf Mitmenschen zu nehmen.
Wie handelt der Mensch in unserer Gesellschaft, wenn er von einer Begierde getrieben wird? Sofern das Objekt seiner Begierde fremdbesetzt ist, wird er es sich nicht einfach durch einen Griff aneignen können. Er muss, wie es üblich ist, seine Sprechwerkzeuge zu betätigen, um ans Ziel zu kommen. Dazu braucht er die richtigen Worte. Und was ist, wenn ein Mensch sich durch einen Mitmenschen schlecht behandelt fühlt? Auch dann hilft das passende Vokabular weiter. Die Alternative, handgreiflich zu werden, ist in unserer Kultur wenig akzeptabel.

Ein Mensch ohne Worte ist in unserer Kultur verloren. Neben der Möglichkeit, Wünsche durchzusetzen, fehlen dem wortlosen Menschen auch die in sprachliche Begriffe gekleideten Erinnerungen an Vergangenes. Daraus ergibt sich notwendig, dass geplantes Handeln in die Zukunft nicht möglich ist. Zukünftiges kann nur durch Phantasie erschlossen werden. Phantasie benötigt Wörter. Zwar kann die Zukunft auch in Bildern ausgemalt werden, doch damit wird in unserer Schriftkultur niemand bestehen.

Was folgt aus dieser wirren Gedankenhütte? Vor allem das: Eltern und Lehrer müssen wieder mehr mit ihren Kindern sprechen! Kommunikation mit Worten bildet die Eintrittskarte in die Welt der Wortsprache. Diese Feststellung ist alles andere als banal. Eine wachsende Zahl von Kindern ist heute mit Sprachkonserven und unpersönlicher visueller Kommunikation überversorgt. Pictogramme, Zeichnungen, Fotos und Filme überfluten das Gehirn, ohne das Denken zu fordern. Im selben Ausmaß schrumpft die Menge an Zuwendungs- und Handlungskommunikation, wie ich das Sprechen in den täglichen Lebensvollzügen bezeichnen würde. Manchen Kindern fehlen schon heute grundlegende Kenntnisse und Mittel, um an sprachlicher Kommunikation erfolgreich partizipieren zu können.

Verena Katerle

 
 
22. April 2009
Vom Wartenkönnen
Kategorien: Erziehung | Besinnliches

Vom Warten

Manch einer verdirbt sich das Leben, weil er es nicht fertigbringt, geduldig warten zu können. Zum Warten gehören Mut und das Vertrauen, dass es sich zu warten lohnt. Der Gedanke, etwas zu verpassen, ist unerträglich. Doch diesen Zwiespalt muss aushalten, wer warten will.

Sicherheit und Geborgenheit sind deshalb eine Vorbedingungen des Wartenkönnens. Das Warten fällt leichter, wenn man bereits öfter erfahren hat, dass nach qualvoller Wartezeit etwas Positives geschieht, etwas, das für die Wartezeit entschädigt. Wer solch  wichtige Erfahrung machen darf, ist für spätere Geschehnisse gewappnet, die zu Wartezeiten zwingen.

Wer wartet, entsagt der Welt für die Zeitspanne des Wartens. Da niemand in die Zukunft schauen kann, weiß der Wartende nicht, wann seine Wartezeit abläuft. Das ist eine Belastung und Bewährungsprobe, die nur besteht, wer aus einem Gefühl der Fülle heraus zu handeln vermag. Wer die Erfahrung machen musste, regelmäßig um seinen Lohn betrogen zu werden, kann geduldiges Warten aus diesem Grund schlecht ertragen.

Am schlimmsten für den Wartenden ist die Angst davor, zu kurz zu kommen, weil die anderen schneller sind und sich nehmen, was auch er begehrt. Wenn nun nicht genügend des Begehrten vorhanden ist, geht leer aus, wer geduldig und bescheiden gewartet hat. Warten ist daher nur in einer geordneten Welt möglich, in der jedem Menschen sein Platz gesichert ist. Wo ist dies am ehesten zu erwarten?

In den nächsten Tagen werden wir uns an dieser Stelle Gedanken machen über praktische Konsequenzen in der Schulerziehung, die dem Wartenkönnen förderlich sind.

Peter Stolz

 
 
16. April 2009
Vorschläge zur Entschleunigung des Lebens
Kategorien: Schule | Erziehung
Entschleunigung ist die einzig wirksame Medizin zur Heilung von Überaktivität und Konzentrationsstörungen. Die Maßnahmen wirken jedoch nicht sofort, sie bedürfen der geduldigen Praxis über längere Zeiträume hinweg. Das ist mühevoll, weil die Erwachsenen die eigene Lebensführung in Frage stellen und eventuell ändern müssen. Sie mögen dabei nicht zu streng mit sich selbst sein: auch kleine Erfolge sind Erfolge! Wer große Ziele erreichen will, kann dies immer nur in kleinen Schritten tun. Das gilt für Erwachsene und Kinder gleichermaßen.

Folgende Vorschläge erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

• Lebenstempo verringern
Programme mit eingebauter Zeitersparnis vermeiden. Wir haben kein Zeitkonto, das uns Muße verspricht! Wer Zeit sparen will, hetzt durchs Leben. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
15. April 2009
Extra-Njuuslätta Nr. 22 – März 2009
Kategorie: Newslettertexte
Was ADS mit Zeit zu tun hat
 
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Liebe Lehrer!
Liebe Eltern!

Als Dornröschen 100 Jahre schlief
Wer aus kurzsichtigen Beweggründen — ganz ohne böse Absicht, eben nur unbedacht — einen wesentlichen Aspekt im Leben nicht berücksichtigt, wird auf lange Sicht mit Folgen konfrontiert, die durch Vorkehrungen aller Art nicht aus der Welt zu schaffen sind. Die dreizehnte Weise wird aus dem Grunde nicht ins Königsschloß geladen, weil nur zwölf goldene Teller vorhanden sind. Das daraufhin verhängte Schicksal vermeint der König durch einen technokratischen Trick abwenden zu können. Er läßt alle Spindeln im Reiche vernichten. Wie wir wissen, ist dies vergeblich gewesen. 100 Jahre müssen vergehen, ehe sich die Dornenhecke wie von allein auftut und Erlösung zuläßt in Gestalt eines Jünglings. Die Schlüsselbotschaft lautet: Alle erzwungenen Erlösungsversuche müssen scheitern, wenn nicht die Zeit dafür reif ist. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
08. April 2009
Zuerst den Schnee wegfegen!
Kategorie: Besinnliches

 

Ein altes Märchen
Eine Frau hatte gehört, daß ein Einsiedler im Wald unter dem Schnee reife Erdbeeren habe. Da gab sie ihrer ältesten Tochter den Auftrag, in den Wald zu gehen und von den Erdbeeren zu holen. Als die Tochter dem Einsiedler ihren Auftrag ausgerichtet hatte, da antwortete er: »Sei so gut und kehre mir dort zuerst ein wenig den Schnee fort, damit ich die Vögel füttern kann.« — »Was gehen mich die Vögel an«, antwortete sie, »ich möchte die Erdbeeren haben.«
Da ließ sie der Eremit sie unverrichteter Dinge heimgehen.

Nun sandte die Frau ihre Stieftochter mit dem gleichen Auftrag. Wieder gebot der Einsiedler, den Schnee für die hungernden Vögel fortzukehren. Ohne sich auch nur einen Augenblick zu besinnen, griff das Mädchen nach dem Besen und begann eifrig, den Schnee beiseite zu kehren — es vergaß ganz die Erdbeeren und dachte nur noch an die hungernden Vögel. Unter dem Schnee erschienen unversehens die Erdbeeren, und das Mädchen durfte so viel davon mitnehmen, wie es wollte.* 

Dieses Märchen sagt uns, auf welche Weise der Mensch seine Ziele erreicht. Belohnt wird, wer sein Handeln auf Umwegen erreicht. Diese Umwege heißen Rücksicht, Hingabe, Zuwendung. Abkürzungen bringen nicht das gewünschte Ergebnis, sie erzeugen Enttäuschung und Leid.

Das Märchen sei ein Becher Trost, an dem sich jene Verzagten laben sollen, die meinen, nichts gegen den erdrückenden Strom des aktuellen Lebens ausrichten zu können. Wir empfinden in diesen Tagen alle, wie wir mitgerissen werden von etwas, das größer und stärker ist als wir selbst. Doch wie machtlos wir auch in bezug auf das Ganze sein mögen, dort, wo wir eingebettet sind in die Gesellschaft, besitzt unser Handeln sehr wohl große Wirkkraft. Jede unserer täglichen Lebensäußerungen und Entscheidungen hat tausendfach Auswirkung auf unsere nächsten Mitmenschen. Als Eltern, Lehrer, Schüler, Nachbarn, Untergebene oder Vorgesetzte, Verkehrsteilnehmer, Freunde, Käufer oder Verkäufer ... überall tragen wir mit unserem Verhalten den anderen gegenüber dazu bei, ob das eigene Leben und damit das der anderen gelingt. Es ist müßig, sich ständig über schlechte gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu beklagen, die man doch nicht ändern könne. Gewiß, manches ist eine Zumutung, vielem muß man sich beugen, und es scheint nichts besser zu werden!

Wer aber immer nur darauf wartet, daß der Wind günstig sei, vergißt, daß der liebe Gott ihm Arme gegeben hat, um die Ruder des Lebensschiffchens selbst ein wenig vorantreiben und steuern zu können. Alle positiven Veränderungen in einer Gesellschaft gehen von den einzelnen Menschen und ihren unzähligen Anstrengungen aus, mit denen sie bestrebt sind, in ihrer unmittelbaren Umgebung die praktischen Lebensbedingungen zu verbessern. Nur in bezug auf das eigene Leben können wir Veränderungen erwirken, und genau dies ist unsere Aufgabe, hierzu haben wir alle Macht: Wo du gesät, Blume — dort blühe!

Jeder von uns kann sich in dieser vorösterlichen Zeit fragen, ob wir uns nicht oft ähnlich verhalten wie die älteste Tochter, die keinen Umweg zu gehen bereit ist und deshalb mit leeren Händen nach Hause zurückkehrt. Das direkte Ansteuern des Zieles trägt viel zu der Hektik bei, in der wir unsere Tage verbringen. Es ist nicht einfach, den Schnee wegzuräumen, wenn wir doch eigentlich etwas ganz anderes begehren. Jene, deren Aufgabe es ist, Kinder und Jugendliche zu unterrichten und zu leiten, sei die Bitte besonders ans Herz gelegt: lassen Sie Umwege zu! Für Umwege brauchen wir Zeit. Wir haben diese Zeit, wir müssen sie uns nur nehmen. Der vermeintliche Zeitverlust verwandelt sich mittel- und langfristig in eine kostbare Frucht, die allen Beteiligten zugute kommt. Also: kehren wir emsig den Schnee fort, für die Vögel!

Karin Pfeiffer

*Das Märchen ist folgendem, lesenswerten Buch entnommen: 
Friedrich Wilhelm Foerster, Lebensführung; Reichl Verlag, St. Goar
 
Sinn oder Unsinn von Diktaten
Kategorie: Besser lernen
Anfrage einer Lehrerin:

Gern lese ich Ihre »Tips« zu einzelnen Themen des schulischen Alltags. Da an unserer Schule das Thema »Diktate - sinnvoll oder Unsinn?« sehr kontrovers diskutiert wird, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir Ihren schon vor längerer Zeit veröffentlichten Text zu dieser Thematik zusenden könnten.

 

Freundliche Grüße

A. K.

Antwort:

Sehr geehrte Frau K.,

sehr gern erfülle ich Ihre Bitte. Ich habe drei Beiträge* aus meinem pädagogischen Blog herausgefiltert und einen vierten beigefügt, der vor einiger Zeit im Newsletter verschickt worden ist. Diesen Beitrag zu Ende lesen »

 
Das Dilemma mit der »neuen« Rechtschreibung
Kategorie: Schriftkultur

Das Dilemma mit der »neuen« Rechtschreibung

Die Erscheinungsform der gegenwärtigen Orthographie im öffentlichen Raum — und erst recht in den Schulen — ist in einem beklagenswerten Zustand. Welche der möglichen Ursachen auch immer genannt werden, niemand wird der Sache ganz gerecht, wenn die Hauptkalamität ausgeblendet wird: es ist dies die sogenannte Rechtschreibreform. Diesen Beitrag zu Ende lesen »


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