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Entdeckendes Lernen ist Zeitverschwendung

 
31. Oktober 2012
Entdeckendes Lernen ist Zeitverschwendung
Kategorie: Besser lernen
   
 Mathe-Murks an der Grundschule
von Karin Pfeiffer

 
 Die älteren Lehrer werden sich noch gut an die Mengenlehre erinnern, die in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts in die Lehrpläne der Schulen Eingang fand. Diese »Neue Mathematik« funktionierte nicht, hat Lehrer ins Schwitzen gebracht und für heillose Verwirrung bei etlichen Schülergenerationen  gesorgt. Der Mißerfolg des Projekts Mengenlehre hat leider nicht zu mehr Besonnenheit bei den Lehrplanmachern geführt. Bis zum heutigen Tage wird versucht, das curriculare und methodische Rad neu zu erfinden — sei es im Schulfach Deutsch oder Mathematik. Die politisch engagierten Erfinder neuer Methoden scheuen leider nicht vor mutwilligen (und wie sich nachträglich stets zeigt — undurchdachten) Eingriffen in Kulturgüter zurück. Dabei wird regelmäßig ein kaum mehr gutzumachender Flurschaden angerichtet — so wie bei der »Rechtschreibreform«, die den Verfall der einheitlichen Orthographie eingeleitet hat.
Den jüngsten Angriff auf ein fundamentales Kulturgut startet zur Zeit der kommerziell ausgerichtete, in Frankfurt am Main ansässige Grundschulverband. Seine politisch gut vernetzten Protagonisten stehen hinter der Initiative, die Schreibschrift ganz abzuschaffen — denn darauf läuft es hinaus, wenn eines nicht allzu fernen Tages bundesweit kein Unterricht mehr in dieser Kulturtechnik erteilt wird.

In der Mathematik haben die sogenannten entdeckenden Rechenverfahren dafür gesorgt, daß immer weniger Studenten fähig sind, ein anspruchsvolles Studium in naturwissenschaftlichen Fächern erfolgreich zu beenden. Einer der Grundfehler der Schuldidaktik ist die Vernachlässigung des schematischen Übens. Die Automatisierung fundamentaler Algorithmen ist zum Erlernen der Grundrechenarten Voraussetzung. Ohne diese Fähigkeit sind Schüler später kaum in der Lage, komplizierte Rechenverfahren durchführen zu können. Im nachahmenden Üben einen schädlichen Drill erkennen zu wollen, ist ein dramatischer Irrtum, für den die Schüler bezahlen.

Seit etwa zehn Jahren wird an den bayerischen Grundschulen eine umständliche Subtraktionsmethode gelehrt. Das sogenannte Abzieh- oder Entbündelungsverfahren soll angeblich das Verständnis für die Rechenoperation fördern. Die Praxis zeigt, daß eher das Gegenteil zutrifft. Jeder Lernprozeß beginnt mit Nachahmen. Erst wenn die Automatisierung im Tun geistige Potenzen freisetzt, ist der Lernende zur theoretischen Durchdringung des Lernstoffes fähig. Zuerst das HANDwerk, dann das KOPFwerk, nicht umgekehrt! Langatmige Erklärungen oder der Hinweis »Das sollst du selbst herausfinden!« sind Zeitverschwendung und führen zu Frustration auf seiten der Schüler.

Als erdgebundenes Sinneswesen kann der Mensch nun einmal nur das verstehen, was er praktisch handelnd erfährt. Das gilt für alle Kulturtechniken gleichermaßen: Schreiben und Rechnen müssen nachahmend eingeübt werden. Man zäumt das Pferd nicht von hinten auf. Rechenregeln können im schulischen Unterricht nicht entdeckt, sondern müssen schematisch eintrainiert werden! Der zeitliche Mehraufwand für umständliche entdeckende Lernverfahren steht in keinem Verhältnis zum Ergebnis. Lesen Sie den folgenden aktuellen Beitrag von Martina Scherf in Süddeutsche.de.

P.S.
Eine Gewissensfrage für den engagierten Lehrer (und natürlich auch die Lehrerin ☺):
Wer oder was hindert Sie eigentlich daran, schon vor dem Jahr 2015 (wenn die Lehrplanrevision ansteht) die als untauglich erkannte Lehrmethode in Mathematik einfach über Bord zu werfen? Professionelle Autorität macht Eindruck. Nicht nur »unten«, sondern gerade auch »oben«! Unterricht ist für die Kinder da, nicht für die Schreibtischtäter in der Schulbehörde.

 
   
   
 

Hier noch einmal die Links zum Spiegel und zur Süddeutschen:

Mengenlehre, das ist Zeitverschwendung

Minus-Problem an Bayerns Schulen

 

 

 


Kommentare zu diesem Beitrag:
von M. N. (05. November 2012, 14:18):
Hm, interessant. Werde mir das überlegen. Arbeitsblätter selbst entwerfen ist halt ein wenig zeitaufwändig. Kann mir jemand einen Tipp geben, wo ich ein Lehrbuch und Aufgabenblätter mit der alten Methode beziehen kann?
 
von Lehrerin (21. November 2012, 13:22):
Selbstentworfene Arbeitsblätter sind für den eigenen Unterricht in der Regel besser als übernommene.
Jedenfalls ist das meine Erfahrung. Sie bedeuten zwar mehr Arbeit, sind jedoch besser auf das zugeschnitten, was ich genau erreichen will.
Mit Computer ist das Herstellen heute auch sehr viel einfacher als früher.
 
von Christina Soffia (23. November 2012, 13:35):
Besonders in Bedrängnis sind aber die Referendare, und das nicht nur in Bayern! Fachleiter wollen eben in Mathematik ausschließlich selbstentdeckende Stunden sehen! Wohl dem, der eine pfiffige Klasse hat, die einige gedankliche Umwege verzeiht. Im sozialen Brennpunkt hat man keine Chance. Entweder gelingt die Stunde nicht, oder man entscheidet sich für die Kinder und wird mit schlechten Beurteilungen abgestraft.
 
von Mentorin (23. November 2012, 19:50):
Was Sie schreiben, Christina Soffia, kann ich nur bestätigen.
Ich bin oft entsetzt über das, was unsere Junglehrer/innen von ihren Seminarleitern bzw. -leiterinnen beigebracht kriegen und welchen Materialaufwand sie für die sog. Vorführstunden betreiben, bei denen meist noch nicht einmal viel rauskommt außer viel "action".


 
von denknach (23. November 2012, 22:28):
Ich frage mich allen Ernstes, woher die SeminarleiterInnen eigentlich ihre "Weisheiten" beziehen, und warum sie offensichtlich konsequenzlos den größten methodisch-didaktischen Blödsinn an zukünftige Lehrergenerationen weitergeben dürfen.
Gibt es denn niemanden, der ihnen einmal kräftig auf die "Finger haut"?
 
von Mentorin (24. November 2012, 00:13):
An "denknach"
Ihre Weisheiten bekommen die Seminarleiterinnen von dem, was im Moment als pädagogisch "in" bzw. neueste Methode gilt, auch wenn sie der größte Blödsinn ist.
Ihre Frage, warum es denn niemanden gibt, "der ihnen einmal kräftig auf die Finger haut", ist berechtigt; doch die Antwort liegt auf der Hand.
Wer sich an die angeblich neueste Methode hält, ist immer auf der sicheren Seite.
Wer wagt schon zu widersprechen und an Methoden zu erinern, die zwar erheblich mehr bringen, aber als altmodisch gelten, weil sie aus Erfahrungen der Vergangenheit stammen.
Mit "neu" und "fortschrittlich" ist bei uns doch inzwischen alles zu verkaufen.



 
von denknach (24. November 2012, 10:49):
@ Mentorin
Sie werden bestimmt Prof. Hilbert Meyer kennen. Sein Standardwerk "Leitfaden zur Unterrichtsvorbereitung" gehörte in den 80er Jahren zum "Leuchtturm" der Methodikbücher. H. Meyer - auch als "Vater" der offenen Unterrichtsformen bekannt -, vertritt heute aber ganz andere Meinungen. So verkündet er inzwischen, dass die eher lehrerzentrierten Methoden den offenen bei der Vermittlung kognitiver Fähigkeiten überlegen seien.
Anlässlich der Präsentation der Ergebnisse des Grundschul-Ländervergleiches kritisiert J. Krauss, Präsident des Dt. Lehrerverbandes, die gegenwärtigen Experimente im Lese- und Schreiblernprozess bei GrundschülerInnen als unverantwortlich.
Reinhard Franzke, emeritierter Professor am Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung der TU Hannover lässt kein gutes Haar an vielen gegenwärtigen Methoden. Ob das alles so seriös ist, vermag ich nicht abschließend zu beurteilen. Zum Nachdenken fordern seine Beiträge allemal auf. Aber lesen Sie selber:

www.reinhard-franzke.de/Methoden-Check.pdf
www.reinhard-franzke.de/Gute_Nacht.pdf
 
von denknach (24. November 2012, 18:06):
Noch ein kurzer Nachtrag:
Mentorin, wer bestimmt eigentlich, was im Moment als neueste Methode gilt?
Gibt es da evtl. eine gewisse Orientierung durch den Deutschen Lehrerpreis, der am 26. 11. erneut verliehen wird?
Erstaunlich nur, dass die Bücher von preisgekrönten Lehrkräften am Schulbuchmarkt offensichtlich wenig nachgefragt werden (vgl. www.lehrerselbstverlag.de).
 
von Karin Pfeiffer (25. November 2012, 18:07):
@denknach
Wir bedauern das Fehlen der Korrekturfunktion. Der Mangel soll im nächsten Jahr behoben werden, wenigstens ist es so geplant.

Zur Sache: danke für die informativen Einträge. Grundsätzlich kommen Neuerungen immer zuletzt in den unteren Führungsetagen an. So wird es wohl noch eine Weile dauern, ehe die zu Recht als untauglich verworfenen Phantasiemethoden auch aus dem Seminarprogramm gestrichen werden. Unsinn hält sich übrigens in allen gesellschaftlichen Bereichen mit erstaunlicher Beharrlichkeit - denken Sie nur an die modischen "Hosen" der Jungs, deren Schritt zwischen den Knien baumelt und deren Bund so tief hinunterrutscht, daß das Gesäß sichtbar wird. Welch qualvolle Beinkleidung! Derlei Torheiten verschwinden nicht seltsamerweise nach einer peinvollen Saison, sie überdauern viele Jahre. Eigentlich unverständlich.
Und genauso unverständlich ist das Festhalten an Unterrichtsmethoden, die im Rechen- und Schreibunterricht zu sichtbar negativen Ergebnissen führen.
Mein Plädoyer an jeden, der sich dessen bewußt ist: den Mut haben, sich dagegen zu stemmen oder das Problem wenigstens ansprechen. Falsch ist, sich stillgrollend zu beugen. Der Druck sollte an jene weitergegeben werden, die den Unsinn anordnen, die scheußliche Suppe aber dann andere auslöffeln lassen (in dem Falle Lehrer, Kinder, Eltern).
Auch an Eltern gerichtete Aufklärungsarbeit hilft weiter.
Und das ganze: diplomatisch und mit Augenzwinkern. Man soll dicke Bretter bohren. Wenn an der Basis viele in diese Richtung wirken, bewegt sich mit der Zeit eine ganze Menge. Und den betroffenen Schulkindern tut man damit auch viel Gutes.

Hosenmode: siehe hier:
http://www.stolzverlag.de/de_blog_permalink_98.html

 
von Mentorin (26. November 2012, 00:12):
an "denknach"
Sie wollen wissen, wer eigentlich bestimmt, was im Moment als neueste Methode gilt. Wahrscheinlich bestimmen dies die raffiniertesten und lautesten Werbetrommler.
Ihre Frage hat aber auch mich immer wieder beschäftigt. Leider kann ich nur Vermutungen anstellen, weil der gesunde Menschenverstand nicht recht mitkommt.
In den letzten Jahrzehnten wurden fast ausnahmslos Methoden durchgesetzt, die dem Unterricht und den Schülern mehr schadeten als nützten. Die Argumente dafür waren meist dürftig und wurden dem Bereich der Technik entlehnt. So gilt z. B. ein neues Modell in der Autobranche automatisch als Verbesserung des alten und damit als Fortschritt. Diese Annahme ist hier auch meist berechtigt, doch ihre Übertragung auf andere Bereiche wie etwa den der Pädagogik oder Psychologie ist unseriös und unzulässig.
Wer aber hat ein Interesse daran, mit gezielter Irreführung schädliche Erziehungs- und Lernmethoden einzuführen? habe ich immer wieder gefragt und dabei wohl den falschen Denkansatz gewählt.
Heute meine ich, dass die Anrichtung von Schaden wahrscheinlich gar nicht geplant ist, aber für die Befriedigung von Lobbyinteressen billigend in Kauf genommen wird. Typische Lobbyisten sind Ideologen und politische Parteien mit ihren teils exotischen Bildungsprogrammen oder auch die Nutznießer unserer aufgeblähten Bildungsindustrie mit ihrem explodierenden Angebot an Material und Dienstleistungen.
Früher, so erinnere ich mich, stand wirklich das Wohl des Nachwuchses im Mittelpunkt, heute ist es aber oft nur noch ein scheinheiliges Deckmäntelchen für schäbige, weil eigennützige Ziele.

 
von Karin Pfeiffer (26. November 2012, 17:46):
@Mentorin
Exakt in diese Richtung gehen auch meine Vermutungen.
 
von Marion (26. November 2012, 19:51):
@Mentorin und Karin Pfeiffer
Ich teile Ihre Meinung.
Im Moment frage ich mich jedoch angesichts der gelobhudelten und dennoch abartigen Inklusion in Einheits- und Gemeinschaftsschulen, ob nicht doch zersetzende bzw. schädigende Kräfte am Werk sind.
Reicht hier die Erklärung von Gewinnmaximierung materieller oder auch immaterieller Art auf Kosten der Schulleistungen und Schüler noch aus?
 
von Ursula Prasuhn (27. November 2012, 15:37):
Die Crux besteht meiner Ansicht nach darin, dass der Staat das Bildungsmonopol besitzt und Politiker – insbesondere jene mit sozialistischen Vorlieben – es unbedingt weiter stärken wollen. Sie setzen auf das Vertrauen der Bürger, welches meint, dass alles, was der Macht des Staates unterliegt, zwar nicht immer vor Irrtum, gewiss aber vor Missbrauch geschützt ist.
Dass dieser Glaube falsch ist, beweisen die ständigen System- und Lehrmethodenwechsel, die weniger der Bildung als schmarotzenden Interessen dienen.
Eine Privatschule müsste um ihre Existenz bangen, wenn die Eltern gezwungen wären, solche Unsummen an Geld für Nachhilfestunden auszugeben, wie sie seit Jahren bei den Schülern öffentlicher Schulen üblich sind. Es hieße sehr schnell: die Schule taugt nichts, Kinder also abmelden.
Bei den Staatsschulen läuft das anders. Da lautet das verbreitete Urteil: Die Eltern sind inkompetent, also gehören Kinder möglichst früh in Krippen und später möglichst ganztägig in Schulen.
Je schlechter die staatliche Leistung desto lauter und unverfrorener also die offizielle Forderung nach ihrer Ausweitung – so als würde aus weiterer Talfahrt ein Höhenflug.
Wer’s glaubt, wird selig. Und so sind wir denn ein Wahlvolk der Seligen, zumindest der Vertrauensseligen.
 
von Frauke Watermann (28. November 2012, 20:13):

Das kleine Bundesland Bremen mit seinem Rekord an letzten Plätzen im Vergleich von Schülerleistungen hat bisher jeden Versuch zur Einführung einer Privatschule zunichte gemacht.
Gerichtsbeschlüsse gaben immer dem ablehnenden Senat Recht. Und so gibt es in Bremen keine Privatschulen, obwohl diese gerade hier bitter nötig wären, damit ein Wettbewerb endlich mal zeigt, wie schauderhaft die Schulpolitik in dieser seit Jahrzehnten von der SPD regierten Stadt ist.
Dass die Bürger nicht alarmiert sind und die sozialistische Regierung aus Rot/Grün im Interesse ihrer Kinder endlich abwählen, unterstreicht die These von der Vertrauensseligkeit der Menschen in Sachen Bildung und Schule. Sie glauben fast alles, was ihnen auf die Nase gebunden wird, und das hört sich bei den linken Gutmenschen immer so phantastisch an, dass reale Ergebnisse weniger zählen als großartige Absichtserklärungen.
Vielen Bremern ist das Gehirn schon so vernebelt, dass sie selbst glauben, ihre Schulpolitik sei in Wirklichkeit die einzig Wahre, das schlage sich nur nicht in dem nieder, was da in den Vergleichstests immer abgefragt würde. Bremen ist also der Ort der geheimen Stärken, nur haben das die anderen noch nicht bemerkt.
 
von Karin Pfeiffer (29. November 2012, 11:10):
Liebe Frau Watermann,

ein kritisches allgemeines Bewußtsein, daß mit unserem Schulmonopol etwas nicht stimmt, kann schon deshalb nicht entstehen, weil die Schule inzwischen eine weitaus wichtigere Funktion als die der "Bildung" ausübt: Schule ist Kita und Hort, sie erfüllt die Beaufsichtigungspflicht, die früher Eltern - hauptsächlich Mütter - wahrgenommen haben. Da immer mehr Frauen in den sozialabgabepflichtigen Produktionsprozeß eingegliedert werden (ein Schelm, wer Böses dabei denkt), müssen die Kinder eben ganztägig außer Haus beaufsichtigt und betreut werden. Die preiswerteste Alternative ist die Massenschule. Und dort geht es eben schon lange nicht mehr um zielvolles Lernen und geistige Reifung, sondern um eine Art pädagogisch gefärbte Unterhaltung mit Hilfe von möglichst vielen Materialien und EDV-Technik. Den lukrative "Bildungsmarkt" beackern hauptsächlich Lobbyfirmen und staatsnahe Einrichtungen. Das ist alles ein ungeheures Geschäft, und wo es um Geld geht, hat die Würde des Kindes ausgedient.

Seit Generationen gibt es diese Art Beschulung, deshalb können sich die Leute auch nichts anderes mehr vorstellen. Die "Bewahranstalt Schule" ist strukturell unverzichtbar geworden. Alternativen können nur langsam von der Basis her wachsen - dies jedoch wird, wie Frau Watermann dankensweise erwähnt, in Bremen und anderswo erfolgreich ver- oder behindert. Die Interessen und das individuelle Wohl der Kinder sind kein Thema. Das gegenteilige Gerede von Politikern und deren Mietmäulern ist nichts als durchsichtige Heuchelei. (Siehe Krippendiskussion!)
 
von Frauke Watermann (01. Dezember 2012, 13:25):
Obwohl Sie ja Recht haben mit dem, was Sie sagen, liebe Frau Pfeiffer, möchte ich noch nicht ganz die Hoffnung aufgeben auf "ein kritisches allgemeines Bewußtsein, daß mit unserem Schulmonopol etwas nicht stimmt."
Vielleicht ist ja der Weihnachtsmann so gewitzt und mischt es unter seine Geschenke.

Ihnen wünsche ich auf jeden Fall einen schönen ersten Advent.

 
von Karin Pfeiffer (01. Dezember 2012, 15:09):
Danke, liebe Frau Watermann!
Auch Ihnen wünsche ich besinnliche Tage - lassen Sie sich nicht allzu sehr von der Hektik anstecken.
Und - im Grunde bin auch ich immer Optimist, was mich natürlich nicht davon abhält, die Realität zu betrachten und ungeschönt zu beschreiben. Überraschungen sind jederzeit möglich, und: jeder kann bei sich selbst und in seiner engsten Umgebung mit kleinen Taten beginnen, die später einmal große Früchte tragen.
 
von denknach (01. Dezember 2012, 18:37):
Mein Hinweis passt zwar nur indirekt zu dem Thema dieser Tagebucheintragung, aber er verdeutlicht schon, in welche Richtung das schulische Lernen evtl. steuern wird.
Heute lese ich bei www.news4teachers.de diesen Bericht: "Modellversuch: Selbstorganisiertes Lernen zeigt gute Ergebnisse".
Die Schulleiterin der Robert-Bosch-Schule in Homburg wollte die "Unterrichtskultur" von Grund auf reformieren. Dabei griff sie auf "neurowissenschaftliche Erkenntnisse der Uni Saarbrücken über Lernprozesse und deren biologische Grundlagen" zurück. Mit besagter Uni arbeitet die Schulleiterin schon längere Zeit zusammen. Mit dem Neurowissenschaftler Christoph Krick plant sie, "konsequent selbsttätiges Lernen einzuführen".
Seit Aug. 2012 gibt es die neue "Unterrichts- und Lernkultur", und seitdem hätten die SuS ihre schulischen Leistungen "enorm gesteigert":
SuS mit Rechenproblemen in der GS erreichen nun "vielfach sehr gute Ergebnisse". Es wird das "außergewöhnlich freundliche Klassenklima" hervorgehoben und das "Organisationstalent der Fünftklässler bewundert".
Die Verantwortlichen führen die Motivation der Kinder auch darauf zurück, dass "der individuelle Lernerfolg beim Erarbeiten und Anwenden des Wissens in Lerngruppen zu einem großen Teil durch die Kinder selbst dokumentiert, reflektiert und bewertet" wird.
Bald soll die ganze Schule so arbeiten. Das bedeutet viel Arbeit für die Lehrkräfte, denn es müssen u.a. ganz neue Arbeitsmaterialien erstellt werden, mit denen die SuS ihre "Lernarbeit organisieren und ausführen können".
Entwickelt wurde das Selbstorganisierte Lernen (SOL) durch das gleichnamige Institut mit Sitz in Ulm.
Der neue schulische Ansatz wird durch den bereits erwähnten Neurowissenschaftler Dr. Krick wissenschaftlich begleitet. Beteiligt ist ebenfalls die Kinder- und Jugendspsychiatrie des Universitätsklinikums Saarland.
Bei Interesse lesen Sie den vollständigen Artikel (zweieinhalb Seiten) bitte bei News4teachers.
Ähnliche Aussagen über "Lernen nach neurowissenschaftlichen Erkenntnissen" habe ich bereits von den Professoren Dr. Spitzer (Digitale Demenz) und Dr. Hüther aus Göttingen gehört.

 
von Lehrerin (01. Dezember 2012, 22:12):
Ich bin viel zu lange Lehrerin, um nicht zu wissen, wie man sich selbst und seinen Schülern Erfolge bescheinigt und eine gute Außenwirkung erzielt. Darum imponieren mir die Aussagen der Schulleiterin aus Homburg nicht im geringsten.
Herrn Prof. Dr. Hüther habe ich vor ca. 10 Jahren bei einem Vortrag in Göttingen erlebt, der mich sehr ärgerte und zum Widerspruch veranlasste, weil der gute Mann vom Schulalltag wenig verstand, uns Lehrern aber das Blaue vom Wissenschaftshimmel herunter erzählte. Diese hochdekorierten Leute haben das Sagen, denn sie schweben unangreifbar und allwissend über den Köpfen aller und brauchen nicht selbst in die Niederungen des Schulalltags hinabzusteigen. Dafür gibt es willige Helfer, die gern auf der populären Woge wissenschaftlichen Ansehens mitreiten.
Herr Prof. Dr. Hüther ist u. a. auch großer Verfechter der Krippenerziehung, für die er momentan Standards entwickelt neben den vielen Hochzeiten her, auf denen er tanzt.
Früher bedeuteten die Begriffe "Wisenschaftler" und "wissenschaftlich" viel für mich und mein Vertrauen, inzwischen sind sie fast zu bedrohlichen Unwörtern geworden.





 
von denknach (02. Dezember 2012, 11:02):
@Lehrerin
Ich habe ganz bewusst den Artikel aus News4teachers nicht kommentiert oder bewertet.
Was Sie schreiben, ist mir auch zuerst durch den Kopf gegangen. Andererseits werde ich etwas nachdenklicher, wenn z.B. Dr. Spitzer den Ansatz des SOL als Neurowissenschaftler unterstützt. Dr. Spitzer kann nun nicht nachgesagt werden - wie bspw. dem Dr. Hüther - populäre "Weisheiten" über das Lernen unters Volk zu streuen. Immerhin bezeichnet Dr. Spitzer in seinem Buch "Digitale Demenz" Computer als "Lernverhinderungsmaschinen".
Ich habe vollstes Verständnis für Ihre Bedenken gegenüber den Aussagen der Schulleitung der Robert-Bosch-Schule in Homburg. Andererseits kann es manchmal auch recht hilfreich sein, sich mit bestimmten Entwicklungen etwas unvoreingenommener zu beschäftigen. Deshalb plädiere ich - auch wenn es schwerfällt - für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem SOL. Nur so kann es gelingen, bestimmte Lernansätze als populäre Zeiterscheinung zu entlarven.
Haben Sie den Artikel bei News4teachers lesen und sich über die Arbeit des Instituts SOL in Ulm informieren können?
 
von Lehrerin (02. Dezember 2012, 14:59):
@denknach
Ja, den Artikel habe ich inzwischen gelesen. Er klingt nicht so schlimm, wie ich vermutete.
Wenn die Neurowissenschaftler empfehlen, Kinder so viel wie möglich selber machen zu lassen, so habe ich nichts dagegen. Im Gegenteil. Die Worte SO VIEL WIE MÖGLICH sind für mich nämlich die entscheidende Einschränkung.
Dass sinnvolles Selbst-Tun und Ausprobieren für das Lernen enorm wichtig ist, wussten die Lehrer vermutlich schon vor den neurowissenschaftlichen Erkenntnissen.
Wenn diese jedoch verabsolutiert werden und der Lehrer in einem Wust an Material nur noch den Beobachter und Moderator auf gleicher Augenhöhe spielt, dann kommen mir Bedenken, denn zu vieles im schulischen Lernbereich bedarf der Anleitung des Lehrers, die Kinder zum Fortkommen ja auch wünschen und wollen.
Von der Schulleiterin heißt es: „ Gemeinsam mit Neurowissenschaftler Christoph Krick plante sie, konsequent selbsttätiges Lernen einzuführen.“
Dieser Satz( insbesondere das Wort „konsequent“) stimmt mich schon wieder bedenklich und ich wittere die erneute Übertreibung einer Lernform, die nur in Maßen und an den geeigneten Stellen angewendet ihre Vorteile hat.
Exzessive Übertreibung eines richtigen Prinzips wird meiner Meinung nach unweigerlich zu einer falschen Methode. Beim Prinzip des selbsttätigen Lernens erscheint mir diese Gefahr besonders gegeben, zumal Wirtschaftsinteressen sie enorm anheizen.
Was können Firmen nicht alles verdienen an der Bereitstellung von Bergen an Arbeitsmaterial für diese materialhungrige Methode.
 
von Karin Pfeiffer (02. Dezember 2012, 17:33):
Es juckt mich in den Fingern, und ich muß noch einmal etwas nachschieben. Es wird etwas lang, bitte um Geduld. An dieser Stelle ein Lob an die Kommentatoren. Es freut mich sehr, daß das Thena für wichtig erachtet wird.

Natürlich müssen die Kinder selber lernen. Lernen ist wie Essen, das muß man selber tun, niemand kann das stellvertretend für einen anderen erledigen.
Es geht auch gar nicht darum. Denn jeder, der in diesem Strang einen Kommentar abgibt, hat alles das, was er kann, SELBST gelernt.
Das Verflixte ist die scheinwissenschaftliche Erkenntnis, die zu einem neuen Dogma erhoben wird. Zauberwort "Selbstlernmethode": die Kinder sollen die Kulturtechniken selbständig entdecken, was natürlich nicht möglich und daher Unsinn ist. Rechnen die Reformer damit, daß am Ende alle Kinder die allgemein angewandte und daher "richtige" Kulturtechnik des Rechnens und Schreibens selbständig entdecken? Solchem Wunderglauben sollte man im 21. Jh. nicht mehr anhängen. Setzen Sie 30 Kinder in eine Schulklasse und beauftragen sie diese ein halbes Jahr lang, ihre eigene Lautschrift zu erfinden (entdecken). Die Kinder wären dazu fähig, keine Frage. Aber wir hätten dann 30 verschiedene Schriften, und keiner würde die Schrift des anderen lesen können.
Beim Rechnen verhält es sich ähnlich. Wir haben nun einmal gewisse Algorithmen zu den gängigen erklärt, und nur wer diese kennt und sie anwendet, wird sich in der höheren Mathematik zurechtfinden können, denn diese baut auf den Grundlagen auf.
Eine Schule, die absichtlich darauf verzichtet, die gesellschaftlich korrekten Formen des Lesens, Schreibens und Rechnens zu unterrichten, hat ihre Legitimation als Schule eingebüßt. Das sind starke Worte. Ich bitte Sie dennoch, darüber nachzudenken.

Vor wenigen Jahrzehnten noch gab es keine Diskussionen darüber, daß die Grundschule ein Ort sei, an dem die Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen vorgezeigt und eingeübt wurden. Vom Entdecken sprach niemand, und von Selbsttätigkeit auch nicht. Selbsttätigkeit war selbstverständlich, und dafür braucht es keine Worte.
Weder bei der Schrift noch bei den Grundrechenarten gibt es etwas zu "entdecken", es sei denn, ein Genie unter den Schulkindern erfindet etwas revolutionäres, das unsere ganze bisherige Schriftsprachlichkeit aus den Angeln hebt. Ist dies zu erwarten?

Etwas anderes ist das Aha-Erlebnis des Schülers, der plötzlich erkennt, wie die Dinge zusammenhängen. Das Aha-Erlebnis steht aber nicht am Beginn, sondern am Ende eines Lernprozesses. Voraussetzung ist die vollkommene Beherrschung des Lernstiffes. Niemand kann geistig etwas erfassen, was er nicht in der Praxis zu beherrschen gelernt hat.

Und hier besteht die große Gefahr dieser "neuen" Lehre: Die Kinder werden nicht mehr unterrichtet sondern sich selbst überlassen. Wenn sie Glück haben, finden sie von allein zum richtigen Rechnen und Schreiben, wenn sie Pech haben, begreifen sie gar nichts. Glück haben die Kinder, denen die Eltern zu Hause zeigen, wie es geht. Pech haben die Kinder, deren Eltern dazu nicht fähig oder willens sind. Dieser Umstand führt zu der vielbeklagten Schere, die immer weier auseinanderklafft zwischen privat benachteiligten und privat bevorteilten Schülern. Die politische Antwort darauf ist: Ganztagssschule. Damit haben auch die Schüler keine Chance mehr, deren Eltern bislang Hilfsschullehrer gespielt haben. Soll das der richtige Weg sein?

Die Entwicklung entbehrt jeglicher Vernunft. Selbständiges Lernen hat zu allen Zeiten stattgefunden, und zwar nach diesen Schritten:

1. Vorzeigen, wie es geht
2. Nachahmen unter Anleitung
3. Einüben ohne Anleitung
4. eventuelle Korrektur bei fehlerhaftem Tun
5. Üben mit neuen Inhalten

Die Punkte 2, 3 und 5 sind geradezu klassische Selbstlernmethoden! Dazu muß man nicht erst die Gehirnforschung bemühen. Früher wußte dies jeder Dorfschullehrer. Das Kind ist beim Lernen ganz auf sich selbst gestellt. Und es weiß, was es zu tun hat. Man sollte nicht vergessen wie wichtig das ist. Unsicherheit zerstört jede Lernmotivation.
 
von denknach (02. Dezember 2012, 17:45):
@Lehrerin
Ich stimme Ihnen zu.
Was mir noch auffällt: Der Modellversuch läuft erst seit knapp drei Monaten und schon werden überragende Lernfortschritte festgestellt. Obwohl der Versuch erst gestartet worden ist, will die Schulleitung ihn bereits auf die ganze Schule übertragen. Ist das seriös?
Versuche brauchen ihre Zeit. Dann erfolgt eine gründliche Auswertung. Darauf kann hier wohl verzichtet werden, weil das Ergebnis für die Verantwortlichen offensichtlich schon feststeht.
Grundsätzlich halte ich viel von Methodenvielfalt und glaube, dass der Unterricht dadurch auch viel interessanter für die SuS wird. Beim SOL lernen die Kinder viel zu zweit oder in Kleingruppen. Gibt es auch einen Gedankenaustausch in der Klasse? Die Klassengespräche fand ich in meiner Schulzeit immer sehr spannend.
Die einseitige Propagierung einer ganz besonders "tollen" Methode stößt bei mir grundsätzlich auf große Skepsis. Es gibt einfach nicht DIE Weisheit. Da können Neurowissenschaftler noch so viel forschen.
 
von denknach (02. Dezember 2012, 17:50):
@ K. Pfeiffer
Einverstanden, Sie haben es wieder einmal wunderbar auf den Punkt gebracht.
Es gibt bei New4teachers auch eine Kommentarfunktion. Dort hat sich auch schon der den Versuch begleitende Wissenschaftler der Uni Saarbrücken, Dr. Krick, zu Wort gemeldet. Wie wäre es denn, ihm mit Ihrem Beitrag zu antworten?
 
von Karin Pfeiffer (02. Dezember 2012, 18:00):
@denknach
Gute Idee - ich werde das auf morgen verschieben.
Übrigens habe ich noch an meiner Eintragung gefeilt (diesen Vorteil genieße ich als Admin - sollten Sie als Kommentatoren Änderungswünsche haben, ich mach das gern ...)
Morgen werde ich mich damit befassen. Es ist ein wichtiges Thema. Wenn man nur mehr Interesse daran erzeugen könnte. Es geht ja auch um die Berufszufriedenheit der Lehrer. Man soll nicht unterschätzen, wie wichtig das ist. Ich komme eben von einer Choraufführung, wo dicke Luft war, weil die Chorleisterin gestreßt war (kommt mal vor). Habe aber gespürt, wie das die Motivation aller Sänger - meine Person eingeschlossen - gedrückt hat.
 
von denknach (02. Dezember 2012, 18:15):
@ K. Pfeiffer
Schön, wenn Sie sich in dem Forum bei News4teachers zu Wort melden möchten. Sie müssen wissen, dass es von Leuten geführt wird, die ein ganz großes Interesse daran haben, dass dieser pädagogische Unsinn salonfähig wird. Die TU Dortmund (der Name des Professors ist mir momentan nicht geläufig) spielt in diesem Zusammenhang auch eine große Rolle.
Ich würde mich an Ihrer Stelle auch direkt an den Dr. Krick und die Uni Saarbücken wenden und ihn persönlich anschreiben.
 
von Ursula Prasuhn (02. Dezember 2012, 20:03):
Inzwischen sind von "denknach" und Frau Pfeiffer so interessante und für meinen Geschmack fast zustimmungspflichtige Kommentare eingegangen, dass ich meinen "veralteten" von heute Nachmittag kaum mehr abschicken mag. Das hätte ich gleich tun sollen, anstatt die Sache aufzuschieben, weil etwas dazwischenkam.

Hier also mein verspäteter Kommentar:
Ihre Zeilen von heute 14:59 Uhr, liebe Kollegin Lehrerin, bringen mich auf den Ausgangspunkt der Diskussion zurück, nämlich auf die Mengenlehre vor fast 40 Jahren.
Sie, Frau Pfeiffer, haben geschrieben: „Diese »Neue Mathematik« funktionierte nicht, hat Lehrer ins Schwitzen gebracht und für heillose Verwirrung bei etlichen Schülergenerationen gesorgt.“
Ja, das hat diese Methode, dennoch habe ich sie auch als positiv in Erinnerung.
Als sie eingeführt wurde, besorgte ich mir schnellstens das Lehrerhandbuch und Schülermaterial des „alef“-Programms, das unser Kollegium beschlossen hatte und als besonders anspruchsvoll galt.
Ich geriet tatsächlich ins Schwitzen, als ich mich mit der Materie beschäftigte und in vielen Stunden erst einmal selbst zur Schülerin wurde. Doch irgendwann packte mich die Sache und wurde in den großen Ferien fast zum Hobby.
Nur eins ging mir damals im Hinblick auf das kommende 1. Schuljahr gegen den Strich: Es hieß, dass die Kinder erst im zweiten Schuljahr an die Zahlen herangeführt werden sollten. Vorher war reine Mengenlehre angesagt zwecks Erkennen und Begreifen von Regeln und Zusammenhängen ohne Hilfe von Zahlen.
Da ich nicht einsah, dass hier Unvereinbarkeiten bestehen sollten, bestand mein Mathematikunterricht sowohl aus der Mengenlehre als auch dem gewohnten Rechnen mit Zahlen. Beides vertrug sich prima und niemand kontrollierte mein Tun.
Die Mengenlehre erforderte hohen Materialaufwand – auch in Form von farbigen Arbeitsblättern, die per handgefertigten Matritzen mühsam für den Drucker hergestellt wurden. Dies machte mir aber nichts aus, im Gegenteil, es machte sogar Spaß.
Und – oh Wunder, die Kinder waren ebenfalls begeistert. Ich höre sie heute noch fragen: „Machen wir heute wieder alef?“
Das sind meine Erfahrungen mit der Mengenlehre, die bis ans Ende des vierten Schuljahrs ging, aber zugunsten des Rechnens mit Zahlen immer mehr abnahm. Danach wurde sie schon wieder abgeschafft, was ich bedauerte.
Sie, verehrte Kollegin Lehrerin, schreiben: „Exzessive Übertreibung eines richtigen Prinzips wird meiner Meinung nach unweigerlich zu einer falschen Methode.“ Dieser Meinung bin ich auch. Eine reine Mengenlehre, die Altes und Bewährtes – zumindest im ersten Schuljahr – völlig verdrängt, kann nicht richtig sein und muss durch Übertreibung falsch werden.
Es gab aber auch immer neue Methoden, die gar nichts Richtiges mehr an sich hatten und allein der Suche einiger Professoren nach immer Neuem zu entstammen schienen. Dazu zähle ich die unselige Ganzsatzmethode fürs Lesenlernen.

Heute bin ich im Ruhestand und kann jungen Kolleginnen und Kollegen nur Mut machen zu eigenen Entscheidungen und eigenem Handeln. Oft habe ich in Lehrberichte Dinge hineingeschrieben, die ich im Unterricht nur am Rande streifte, weil ich nicht hinter ihnen stand und sie allein deswegen schon den Kindern schlecht hätte vermitteln können. Die gewonnene Zeit habe ich lieber in das gesteckt, was mir sinnvoller schien und wozu ich darum auch mehr Lust hatte.
Vielleicht hat mir diese Haltung sogar geholfen, nicht vorzeitig in den Ruhestand zu gehen, denn es ist ja viel befriedigender, einen Unterricht zu halten, hinter dem man steht, als einen, zu dem man sich täglich aufraffen muss.
 
von Jens Gerber (02. Dezember 2012, 21:59):
Hier ist ja richtig Stimmung, und das auch noch in meinem Sinn.
Schlage vor, dass Sie, Frau Pfeiffer, nicht nur Ihren vorzüglichen Beitrag an besagten Herrn Krick schicken, sondern alle Kommentare in ihrem Verlauf, denn sie sind allesamt lesenswert und geben vielleicht mal einer der verantwortlichen Stellen zu denken.
Ob Herr Krick sich beeindruckt zeigt, sei dahingestellt, denn dies würde bedeuten, dass er weniger Schlagzeilen macht und diese waren in der Vergangenheit für solche Herren und Damen immer wichtiger als Schüler, Lehrer und auch Eltern, zu denen ich zähle.
Leider bemerken die angeblichen Koryphäen das nicht und wollen es auch nicht bemerken. Das könnte ja Gewissenskonflikte bedeuten.
Über diese pure Verantwortungslosigkeit regen sich nicht nur die praktizierenden Pädagogen insgeheim auf, sondern besonders auch viele von uns Eltern, die nicht mehr bereit sind, sich jede wissenschaftliche Erkenntnis als ungeahnte Erleuchtung aufschwatzen lassen nur damit manche Leute ihr eigenes Schäfchen ins Trockene bringen.
 
von denknach (04. Dezember 2012, 18:41):
@K. Pfeiffer
Haben Sie Gelegenheit gehabt, Dr. Krick zu antworten? Auf der Seite von News4teachers habe ich bisher nicht lesen können.
 
von Karin Pfeiffer (05. Dezember 2012, 08:59):
Ich bin dran. Das schüttle ich nicht aus dem Ärmel - schließlich bleibt auch mir persönlich das "SOL" nicht erspart, aber es ist kein Moderator da, der mir das Material in mundgerechten Häppchen hinlegt. (Ironie aus.)
Was ich bis jetzt gelesen habe, denknach, läßt meinen Blutdruck steigen. Da ist es nicht gut, wenn ich spontan reagiere. Die Form macht den Inhalt. Man muß immer höflich bleiben.

Herr Gerber, es würde keinen Sinn haben, Herrn Krick mit Argumenten aus der banalen Praxis zu konfrontieren. "Wissenschaftlern" von seinem Schlag geht es nicht um die Sache, sondern um ihre eigene Position, ihren gesellschaftlichen Rang, den sie durch steuerliche Zuwendungen bequem auspolstern können, sobald sie sich mit Schule und Bildung befassen. In meinen Augen sitzen gerade die Vertreter der zweiten Garnitur von Wissenschaftlern hoch auf dem Roß. (Koryphäen in ihrem Fach geben sich ganz anders, nämlich demütig und zurückhaltend. Echte Könner erkennt man zudem daran, daß sie niemals mit Gewißheiten handeln, sondern Fragen stellen und Zweifel zulassen.) Um einen Mann wie Krick in seiner Selbstgewißheit zu erschüttern, braucht es schon etwas Handfesteres. Irgendwann stürzen die selbstgezimmerten Wolkenkuckucksheime solcher Propheten sowieso von alleine ein, und dann verschwinden auch ihre Urheber unter den Trümmern. Leider haben sie bis dahin unzähligen Schülergenerationen einen nicht wiedergutzumachenden Schaden zugefügt.

Was wir hier miterleben dürfen, ist der zunehmende Einfluß der "Neurowissenschaftler" auf die Unterrichtsgestaltung und Lernmethoden in den öffentlichen Schulen - offensichtlich ein lukratives Geschäftsmodell. Wer es auf dem internationalen Parket nicht zu Ehren bringt, versucht es halt in der Schule. Die Schulpolitik und -administration heißt solche "Akademiker" herzlich willkommen, denn nun können sie gemeinsam mit Projekten aufwarten, die der Öffentlichkeit zeigen, wie unentbehrlich sie alle zusammen sind, damit der Laden läuft.
Das ganze ist ein Kasperletheater und wäre zum Lachen, wenn nicht die Folgen für unsere Kinder ernst wären. Es muß sich endlich die Erkenntnis durchsetzen, daß Schule nur dann gelingen kann, wenn die als Kinderfreunde getarnten, geschäftstüchtigen Hausierer mit ihren pseudowissenschaftlichen Dogmas schon vor dem Schultor abgewiesen werden. Sie mögen endlich Lehrer und Kinder in Ruhe lassen mit ihrem unerträglichen Wissenschaftsgefasel! Erziehung und Lernen können ohne Wissenschaft stattfinden: Menschen sind keine Maschinen, die man programmieren kann. Ein guter Lehrer ist den Kindern wohlgesonnen, unterweist sie mit Engagement in der Sache und läßt sich dabei auch nicht von jedem hergelaufenen Hinz und Kunz dreinreden.

Noch was: Wir können nicht den Trend umkehren. Aber wir müssen nicht in vorauseilendem Gehorsam alles mitmachen. Und wir sollten schon gar nicht immer alles glauben, was von hoher Kanzel herunter verkündet wird. Unser Entscheidungsfreiraum ist größer, als wir meinen - allerdings nur in unserem eigenen Umfeld. Aber das ist genug!

Nun bin ich doch polemisch geworden, doch in meinem eigenen Blog darf ich das.
 
von denknach (05. Dezember 2012, 10:03):
@ K. Pfeiffer
Danke für Ihre Nachricht.
Ganz sicher dürfen Sie dem H. Krick nicht mit Polemik begegnen, denn dann werden Sie schnell unglaubwürdig und vor allem angreifbar. Also immer schön sachlich bleiben, was ja angesichts des Themas nicht ganz leicht ist.
Andererseits habe ich schon gute Erfahrung damit gemacht, ab einem bestimmten Punkt richtig mit der Faust auf den Tisch zu hauen.
Das kam dann sehr unerwartet und hinterließ schon einen gewissen Eindruck.
 
von denknach (05. Dezember 2012, 21:08):
@ K. Pfeiffer
Soeben habe ich die Antwort an den H. Krick bei News4teachers gelesen. Besser geht's in der Kürze kaum.
Leider ist es in dem Forum so, dass die Beiträge
mehr oder weniger schnell verschwinden (das hängt vom Aufkommen der Kommentare ab)und das Wiederfinden ist ziemlich umständlich. Nun bin ich sehr gespannt, ob der Dr. darauf antwortet. So hervorragende Kommentare wie der von U. Prasuhn werden trotz der großen Lesergemeinschaft - i.d.R. kaum gewürdigt.
U.a. habe ich deshalb angeregt, dem Dr. Krick persönlich zu schreiben.
 
von denknach (06. Dezember 2012, 21:33):
@ K. Pfeiffer
Gerade habe ich Ihren Kommentar bei New4teachers gelesen. Auch Ihnen möchte ich sagen: "Besser geht's kaum."
Dr. Krick hat Ihnen und Frau Prasuhn tatsächlich geantwortet. Sehr sachlich hat er schon kommentiert, aber warum bleibt nach dem Lesen der Zeilen bei mir nur so wenig hängen?
Schreibt er vielleicht viel, sagt aber wenig? Evtl. bin ich inzwischen aber auch zu sehr voreingenommen, um seine Zeilen richtig
würdigen zu können!
 
von denknach (06. Dezember 2012, 21:54):
Für alle Neugierigen hier noch die Adresse der Gesamtschule in Homburg:

www.rbs-homburg.de

Es kann nicht schaden, sich aus erster Hand und vor Ort zu imformieren.
 
von Karin Pfeiffer (08. Dezember 2012, 07:53):
Lieber denknach,

der Wortschwall, den Herr Dr. Krick ausspeit, ist unverdaulich bis auf einige, banale Brocken, die sich als Plattitüden erweisen. Mitteilungs- bzw. Erkenntniswert sind gleich Null, die Selbstrechtfertigung etwas ungelenk. Vielleicht ist es der erste Auftrag für Herrn Krick, der ihn an die Fleischtöpfe des Pädagogisch-Industriellen Komplexes gelockt hat. Das Glattsein wird er noch lernen. Dann wird er wahrscheinlich künftig darauf verzichten, seinen Kritikern überhaupt Antwort zu geben. Mit Silent Treatment kommt man weiter.

Das Aushängeschild einer Aktion ist im Grunde der Analyse nicht wert, weil es bloß dazu da ist, die Öffentlichkeit ablenken und blenden zu sollen. Der Erkenntniswert liegt in ihrer Vergleichbarkeit. Jede politische Aktion hat ihre Aushängeschilder, welche die Öffentlichkeit täuschen wollen.
Wie dies erreicht wird, ist im Grunde gleichgültig. Auch naiv-kindliche Strategien wirken. Wenn ein Akademiker, der sich als Neurowissenschaftler vorstellt, mit Emphase schreibt, er lerne „unglaublich viel“ von kreativen Lehrerinnen und Lehrern, dann fühlt man sich an einen Pubertierenden erinnert, der mit Inbrunst verkündet: Hey, in dieser Welt gibt es noch unglaublich viel zu entdecken! Aber es erfüllt seinen Zweck. Es klingt harmlos. Liebenswürdig. Insofern spielt Dr. Krick seine Rolle gut.

Der Schauspieler braucht die Pose, um das Publikum zu überzeugen. Guten Schauspielern nehmen wir die Pose ab. Bei schlechten Schauspielern wirkt sie komisch. Der Neurowissenschaftler Krick stellt die Dinge auf den Kopf, wenn er schreibt (Rechtschreibung im Original): „Wenn ich trotzdem offensichliche Verbesserungen sehe, darf ich ja aber durchaus davon berichten, solange es bei uns noch die freie Meinungsäußerung gibt ..."
So lange es bei uns die freie Meinungsäußerung gibt!!!
Ich bin kein Freund von brüllenden Satzzeichen. Hier aber müßten hundert davon hin.

Wie muß es im Gehirn dieses Gehirnforschers wohl aussehen? Möglicherweise spekuliert er auf einen der zahlreichen Preise für „Zivilcourage“, weil er sich so tapfer für die Belange von Schülerinnen und Schülern einsetzt ...

In der Kommentarspalte von News4Teachers bin ich nicht auf die Krickschen Argumente eingegangen. Ich erlaube mir in diesem Zusammenhang, auf einen berühmten Ausspruch des Wladimir Iljitsch Lenin zu verweisen. Personen, die sich für welche-Zwecke-auch-immer benutzen zu lassen, und sei es nur, um ihrem unbefriedigten Geltungsbedürfnis aufzuhelfen, hat es in der Geschichte der Menschheit immer gegeben, wird es immer geben. Wir werden das nicht ändern, aber wir sollten uns nicht von ihren Sprüchen verwirren lassen. Sonst ergeht es uns wie dem anständigen Hasen, der beim Wettlauf mit dem Igel tot zusammenbricht, weil dieser allweil am Ende des Ackers ruft: „Ick bin all da!“

Man sollte sich nicht ärgern, sondern alles sinnlich Erfahrbare nüchtern analysieren. Die Argumente der Verführer ähneln sich, es gibt eine Matrix, die auf alle Lebensbereiche anwendbar ist. Sie ist anwendbar in der Wirtschafts-, Währungs- oder Schulpolitik. Eine Grundregel ist dabei diese: Kritiker werden – im günstigsten Falle – als stupide, im schlimmsten Falle als faschistisch bezeichnet, was nicht selten existenzvernichtend ist. Der Kritiker an den schulischen Dauerreformen ist grundsätzlich ein Miesmacher, er gönnt den Kindern weder Erleichterung noch Freude, behindert sie beim Lernen und trachtet danach, sie in einer inferioren Stellung zu halten. Pfui Teufel aber auch. Dabei wäre, laut Aussage der Reformbewegten, die Erlösung aus dem Elend möglich: zum Beispiel durch eine Rechtschreibreform oder, wie im aktuellen Fall, durch das geheimnisvolle SOL.

Der Neurologe Dr. Krick, dessen Namen ich bis vor wenigen Tagen nicht kannte, wendet genau diese Strategie an, wenn er schreibt:
„Eine Frage an Sie, Frau Pfeiffer-Stolz: Warum sollte Ihrer Meinung nach das Wissen um das biologische Fundament von Motivation, Lernfreude und Kulturleistungen nicht in Lehrerhände gelangen…? – Warum sollte ich nicht mein bescheidenes Wissen im interdisziplinären Schulterschluss innerhalb des Lehrerteams mit mutigen und kreativen Lehrpersonen teilen? – Was spricht denn Iherer Meinung derart dagegen, dass Sie fordern, ich solle lieber diese Menschen in Ruhe lassen…?“

Ich gebe zu, ich bin ein böser Mensch.

Dennoch würde mich interessieren, ob es die besagten Lehrerinnen und Lehrer wirklich gibt, die aus eigenem Antrieb und mit brennendem Verlangen nach der Neurowissenschaft riefen, um ihren Unterricht zu „optimieren“? Persönlich kenne ich nur Lehrer (gilt als Sammelbegriff für beide Geschlechter ☺), die sich nichts sehnlicher wünschen, als endlich unbehelligt ihre Arbeit MIT DEN SCHULKINDERN zu tun, anstatt sich fortzubilden, Papierkram zu erledigen und „neue“ Arbeitsmittel zu erstellen.
Hallo, reformbegeisterte Lehrer! Bitte melden!

Aber es ist nicht hoffnungslos. Der Mensch kann selbst in allerschwierigsten Situationen seine Autonomie behalten. Lest Viktor Frankl!
 
von denknach (08. Dezember 2012, 10:50):
Liebe Frau Pfeiffer-Stolz,

Sie fragen danach, ob es die besagten LehrerInnen tatsächlich gibt, die nach der Neurowissenschaft riefen/rufen, um ihren Unterricht zu optimieren.
Ich glaube, die gibt es. Gehen Sie bitte auf die Homepage der Robert-Bosch-Gesamtschule in Homburg (www.rbs-homburg.de, und Sie werden dort alles lesen können, was Dr. Krick bei News4teachers geschrieben hat.
Sie gibt es aber nicht nur dort, sondern SOL wird - soweit ich das verfolgen kann - bereits in zahlreichen Schulen praktiziert.
Geben Sie z.B. das Stichwort "Selbstorganisiertes Lernen" bei 4teachers ein - einem sehr großen Lehrerforum (www.4teachers.de) - und Sie werden garantiert fündig. Ich selber werde das auch gleich noch einmal probieren.
Also, vor diesem Hintergrund meine ich schon, dass wir Herrn Dr. Krick abnehmen müssen, was er schreibt. Er scheint jedenfalls von der Methode überzeugt zu sein.
Welche Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft fließen in die Methode SOL ein? Diese Frage würde ich Herrn Dr. Krick gerne noch einmal stellen.
Warum ist das Lehrerteam der Robert-Bosch-Gesamtschule von der Methode SOL so überzeugt und begeistert? Wie wird die Methode SOL an der Gesamtschule praktisch umgesetzt? Diese Fragen würde ich gerne dem Lehrerteam der Robert-Bosch-Gesamtschule stellen.
Mich würde natürlich auch brennend interessieren, was die betroffenen Kinder und deren Eltern zu der Methode SOl sagen.
Schließlich wäre es sicher auch aufschlussreich, von weiteren LehrerInnen zu erfahren, die mit der Methode SOL Erfahrungen gesammelt haben.

Ja, offensichtlich stimmt die Aussage von Dr. Krick.
 
von Lehrerin (08. Dezember 2012, 12:42):
Hallo, denknach,
Sie können alles, was Sie interessiert, nachfragen. Sie können sich die Antworten aber auch denken, denn die am Modellversuch Beteiligten (bis hin zu den Eltern) werden sich wahrscheinlich positiv bis überschwänglich äußern, auch wenn keiner bewusst Falsches sagen oder schönfärben will.
Als Pionier an etwas Neuem teilzunehmen, das Aufsehen erregt und wissenschaftlich (also „vertrauenswürdig“) begleitet wird, hat doch etwas. Man steht im Mittelpunkt des Interesses und wünscht, das Ganze möge sich als großer Wurf herausstellen, zu dem man beigetragen hat und von dem man stolz berichten kann.
Am zuverlässigsten stelle ich mir noch Schüleraussagen vor, allerdings erst nach längerer Zeit, wenn sich der Reiz des Neuen gelegt hat und die Kinder nicht mehr mit einer Aufmerksamkeit und Zuwendung bedacht werden, die gefällt.

Mich interessiert eher, ob es überhaupt Modellversuche gibt, die als gescheitert erklärt wurden, oder ob sich erst immer im Nachhinein die Pferdefüße herausstellten.

Vielleicht müssten die Bedingungen geändert werden, unter denen Modellversuche stattfinden, z.B. keine mediale Aufmerksamkeit mehr, keine zwischenzeitlichen Erfolgsmeldungen, keine Flut an Betreuern (Lehrern), sondern normaler Lehrereinsatz wie in anderen Klassen auch…usw.

 
von denknach (08. Dezember 2012, 19:37):
N'abend Lehrerin,

Ich stimme Ihnen zu. Dr. Krick stellt ja heraus, dass es bei den SchülerInnen in kürzester Zeit zu wahren Leistungssteigerungen gekommen sei. Ähnliches erlebte ich einige Male als Klassenlehrer mit meinen neuen Fünftklässlern. In einigen Jahrgängen gab es nach dem 1. Hj. nicht selten Zensurensprünge um zwei Noten. Schade, ich hätte meine Methodik (nach Prof. H. Meyer eben "Mischwald") auch neurowissenschaftl. begleiten und medial vermarkten lassen sollen, lach.
Am Ende des 5. Schuljahres hatte sich dann alles wieder fast "normalisiert", und die Kinder vergaßen auch schon 'mal HA oder zeigten sich nicht immer so wissbegierig und interessiert. Der "Reiz des Neuen" kann enorme Energien feisetzen. Das erleben wir ja auch immer wieder in neuen Beziehungen, lach. Wenn dann noch Wissenschaftler mitwirken wird das Ganze ja noch spannender.
Lehrerin, es fällt mir ausgesprochen schwer ,im vorliegenden Fall von einem Modellversuch zu sprechen, deutet alles darauf hin, dass die Ergebnisse bereits vor dem Startschuss feststanden.
Zumindest würde mich aber interessieren, wie SOL im normalen Schulalltag eigentlich aussieht.
 

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