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Abschaffung der Schreibschrift

 
13. Dezember 2011
Abschaffung der Schreibschrift
Kategorie: Schriftkultur
 

Lasst die Schnörkel leben!

Auch bei der Süddeutschen macht man sich jetzt Sorgen um den Niedergang der Schreibkultur. Seit der Grundschulverband e.V. konsequent und unbeirrt die Abschaffung der Schreibschrift vorantreibt, Hand in Hand mit der Politik, scheint das Schicksal der Schreibschrift besiegelt zu sein. Ein Containerschiff, das mit Hilfe und Segen der mächtigen Ministerialbürokratie vom Stapel läuft, wird niemand aufhalten können, weder mit Bitten noch mit sachkräftigen Argumenten und Tatsachenbeweisen. Die Bruttoregistertonnen gleiten unbehelligt auf die Weiten der Weltmeere hinaus, und wir haben das Nachsehen.

Auch wenn es nur eine Art Nachruf sein kann, so sei doch folgendes angemerkt. Die Begründung für die Abschaffung der Schreibschrift ist skurril. Den Kindern solle das "doppelte Schreibenlernen" (Grundschulverband) erspart bleiben. Hat sich noch nie jemand die folgende Frage gestellt, die sich förmlich aufdrängt:

Wieso "doppelt"? Weshalb müssen Kinder überhaupt eine Druckschrift schreiben lernen? Druckschrift kann man überhaupt nicht schreiben, man kann sie nur, wie der Name schon sagt,  d r u c k e n .
Druckschrift ist Maschinenschrift, und zum Lesen da. Wozu sollen Kinder Druckschriftbuchstaben nachzeichnen lernen, als seien sie allesamt kleine Maschinen? Ist nicht DAS die wahre Zeit- und Kraftvergeudung?

Weshalb nicht gleich so:

1. Lesenlernen mit Druckschrift

2. Schreibenlernen mit Schreibschrift

Für alle Tätigkeiten gibt es ein passendes Werkzeug. Niemand schlägt den Nagel mit dem Schraubendreher in die Wand und versucht danach, eine Schraube mit dem Hammer einzudrehen! Also laßt die Kinder doch gleich die Schreibschrift lernen, der Schrift, die für die Hand gemacht ist und nicht für die Maschine!

Aber ja doch, solche Argumente verhallen ungehört, ich weiß schon. Sobald eine in den Amtsstuben ausgebrütete Idee kommerzielle Dimensionen angenommen hat, ist da kein Halten mehr. Im Hintergrund sind längst Verträge geschlossen und lukrative Markstrategien ausgetüftelt, Versprechungen gemacht und Geldbeträge überwiesen worden. Da beißt sich eher die Maus den Schwanz ab, als daß die Bevorteilten von ihren Ideen lassen.
Der Schreibschriftabschaffungsdampfer dampft dahin. Wir werden sehen, welche realen Auswirkungen uns ereilen. Denken wir an die unselige Rechtschreibreform, die ebenfalls dank guter Verbindungen der Erfinder mit der Kultusbürokratie einem Millionenvolk von Lesern und Schreibern verordnet wurde, gegen deren ausdrücklichen Wunsch und Willen.

Was soll's. Noch können Eltern und der Schriftkultur verpflichtete Pädagogen den Kindern das richtige Schreiben beibringen – so sie das denn für wünschenswert halten.

Wir aber rufen mit Lothar Müller: Lasst die Schnörkel leben! (Link zur Süddeutschen)

 
 


Kommentare zu diesem Beitrag:
von U. P. (14. Dezember 2011, 18:34):
Anscheinend ist so gut wie niemand in der Lage, pädagogischen Unfug - wie die Abschaffung der Schreibschrift - zu stoppen. Die Lehrer, die auf Grund ihres Erfahrungswissens dies wahrscheinlich am besten könnten, lassen sich meist jedoch zu kritiklos und willfährig für fremde Zwecke einspannen. Möglicherweise haben sie sich schon mit so vielen Dingen rumzuschlagen, dass ihnen Kraft und Mut fehlen für Auseinandersetzungen. Leider!
Und die Eltern, die lobbyistischen Interessen im Schulbereich wahrscheinlich noch wirkungsvoller entgegentreten könnten als die Lehrer, durchschauen zu selten, für welche Zwecke die Schulen und damit auch ihre Kinder eingespannt werden. Wenn ihnen seitens der Schulbehörde und -politik oder auch seitens dubioser Verbände neue Systeme oder Methoden angepriesen werden, sind sie kaum in der Lage, dahinter dunkle Absichten zu erkennen.
Gingen Eltern und Lehrer vertrauensvoller miteinander um und zögen sie mehr am gleichen Strang, anstatt sich auseinanderdividieren zu lassen, und trüge einer mehr zur Aufklärung bei und der andere mehr zur Durchsetzung des gemeinsamen ehrlichen Interesses an Schule und Schülern, dann wären sie vermutlich ein unschlagbares Team im Kampf gegen Korruption und Behördenwillkür. Ein Lobbyverband mit dem wohlklingenden, aber falschen Namen "Grundschulverband", hätte dann wohl kaum eine Chance, seine knallharten Geschäftsinteressen so mühelos - und auch noch mit behördlicher Unterstützung - durchzubringen.




 
von Christoph (16. Dezember 2011, 16:29):
Der Schluss Ihres Kommentars ist wohl nur ein frommer Wunsch, denn es scheint unmöglich, dass Lehrer und Eltern jemals mehrheitlich am gleichen Strang ziehen. Behörden werden sie immer daran hindern, indem sie z.B. weiterhin deren Funktionen bzw. Rechte gegeneinander ausspielen und damit für gegenseitiges Misstrauen sorgen.
Wahrscheinlich würde es schon genügen, wenn nur eine Seite mutig in die Offensive ginge und sich nicht jeden Blödsinn gefallen ließe. Aber sogar dies scheint illusorisch, weil auch in den eigenen Lagern zuviel Uneinigkeit und Zwietracht herrscht.
Politik, Behörden und sonstige Gewinnler haben somit ein leichtes Spiel.
 

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