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Vom Abschreiben

 
03. Februar 2009
Vom Abschreiben
Kategorie: Besser lernen
Vom Abschreiben

Kurzes Vorwort

Zu meinen lieben Gewohnheiten zählt das Lesen von Fachliteratur, gleich morgens nach dem Aufstehen. Mein Geist ist dann frisch und aufnahmefähig. Während ich lese, mache ich mir Notizen. Ich schreibe Wörter und ganze Sätze ab, die mich zum Nachdenken anregen. Zu diesem Zweck habe ich ein spezielles Heft angelegt.
Was ich da tue, nennt man Lernen. Ich lerne, indem ich Begriffe wiederhole und mir Sätze einpräge. Dabei erweitere ich meinen Wortschatz, bilde mich sprachlich weiter und versetze mich damit in die Lage, die Welt besser zu verstehen und zu beschreiben. Die Methode, mit der ich dies verfolge, ist das Abschreiben und (stille) Wiederholen.

Und jetzt schlagen wir den Bogen von meinem geistigen Frühsport zur Schule: Gewandtheit in Sprache und Schrift ist auch dort ein vorrangiges Lernziel für Schüler aller Schulstufen. Doch scheint jede Generation damit mehr Probleme zu haben. Rechtschreibung und Ausdrucksfähigkeit könnten besser sein, darin sind sich Eltern und Lehrer einig. Nun soll zusätzlich geübt werden. Doch welche Übungsformen versprechen den besten Erfolg?

 

Abschreiben ist der Königsweg zur Schriftsprachenkompetenz

Wer etwas schriftlich festhalten will, muss sich Wort für Wort, Satz für Satz einprägen, ehe er sie zu Papier bringen kann. Er konzentriert sich auf Inhalt und Form, wiederholt das Vorgegebene. Dabei lernt er allmählich dazu. Wer im Abschreiben Übung hat, kann ganze Sätze memorieren, wer weniger Übung hat, schaut öfter auf die Vorlage. Für rechtschreibschwache Schüler oder Legastheniker suchen wir als Vorlage sehr einfache und kurze Sätze aus.
Eine Bedingung allerdings gibt es einzuhalten, wenn das Üben von Erfolg gekrönt sein soll: geistige Wachheit! Alles, was aufgeschrieben wird, soll auch durchdacht werden, sonst ist das Abschreiben in der Tat verlorene Zeit. Dies ist nun der Teil, den der Schüler selbst dazu beiträgt — niemand kann das für ihn erledigen. Er muss also auch lernen wollen.
Seit durch die Existenz moderner Vervielfältigungsmaschinen die »Lernkonserve Arbeitsblatt« zum gängigen Unterrichtsmittel geworden ist, seit zusätzlich Texte aus dem Internet einfach heruntergeladen und ausgedruckt werden können, wird das Schreiben mit der Hand — und damit auch das Abschreiben — aus vermeintlicher Zeitnot nicht mehr gepflegt. Alles andere geht ja viel schneller! Aber geht es auch in den Kopf?

Es gibt vier banale Weisheiten, die auch in modernen Zeiten ihre Gültigkeit behalten haben. Und diese sind:

 1.Schreiben lernt man nur durch Schreiben.
 2.Denken lernt man durch den Gebrauch von Sprache.
 3.Gesprochene Sprache lernt man durch Nachahmen von gesprochener Sprache.
 4.Schriftgewandtheit entwickelt sich durch Abschreiben und Exzerpieren (= inhaltliches Zusammenfassen).

 Wem es ernst ist mit dem Lernen, der wird auf »Tempolerneinheiten« verzichten, denn sie bringen den Schüler nicht ans Ziel. Gute Pädagogik drängt darauf, dass Schüler mit Texten auf diese Weise »altmodische« aber immer noch einzige erfolgreiche Weise arbeiten:

 •Lesen und Wichtiges markieren
 •nochmaliges Lesen, dabei Wichtiges notieren
 •Herausschreiben kurzer Passagen oder Fachbegriffe, inhaltlich durchdenken, geistig wiederholen
 •Zusammenfassen des Textes mit Hilfe der eigenen Notizen

In den unteren Klassen sollen kurze Texte so oft wie möglich in ihrer Ganzheit zum Abschreiben vorgegeben werden. Inhaltsfragen veranlassen den Schüler zum Mitdenken. Wird das aktive Abschreiben konsequent durch das Schuljahr hindurch und in allen Klassenstufen verfolgt, wird kaum ein normalbegabtes Kind größere Probleme mit der Schriftsprache entwickeln.

Karin Pfeiffer

 

Hinweis:
Womit kann das Abschreiben geübt werden? Am besten mit den Texten zum aktuellen Lernstoff. Als zusätzliches Übungsmaterial dient alles, was interessant und greifbar ist. Bücher mit Geschichten oder Märchen, informative Texte aus Sachbüchern, Alltagstexte. Wer es lieber etwas »geführt« mag, greift zu den preiswerten Themenheften aus unserem Verlagsangebot, die kurze und informative Texte enthalten — zum Beispiel:

Grundschule
Zootiere
Haustiere
Das Wetter
Indianer
Getreide und Brot

ab 5. Schuljahr
Die alten Römer
Steinzeitmenschen
Ritter und Burgen
Europa kennenlernen
Weltreligionen

usw. usf.



Kommentare zu diesem Beitrag:
von Andrea Stein (22. Februar 2009, 15:01):
Liebe Frau Peiffer, Ihr Artikel ist mir aus der Seele geschrieben!! Ich bin ein absoluter Abschreibfan. Nicht nur ich persönlich schätze und liebe diese stille Zeit der Ruhe, Besinnung und des "Nachdenkens". Obwohl ich ständig in Zeitnot bin, ich bin Mutter von 5 Kindern, habe 23 nette aber zum Teil auch sehr lernschwache Schüler eines 3. Schuljahres an einer Brennpunktschule als Klassenlehrerin und mit Schwerpunkt "Deutsch" ..... andere Aktivitäten meinerseits will ich hier gar nicht zu Papier bringen, nehme mir schon fast seit über 25 Jahren "Aus-Zeiten" beim Schreiben und Abschreiben. Oft zitiere ich längere Zitate aus Büchern, die ich gerade lese. Das können Sachbücher oder auch Romane... sein. Oft schicke ich diese Gedanken in der Welt herum. Dank E-Mail ist das ja heute kein Problem. Ich habe sogar in meinem 30jahre alten Tagebuch eine Datei "Literatur".
Und auch "meine" Kinder in der Schule lieben fast ausnahmslos das Abschreiben. Mein bester Schüler hat vor einiger Zeit begonnen sein Lieblingsbuch von einem Fußballidol abzuschreiben. Denken kann der übrigens auch sehr gut. Er ist in der Schule mein bester Kritiker und hat mir zum Halbjahr sogar ein eingenes Zeugnis geschrieben mit ausgiebigen Textbausteinen wie noch einige andere Kinder auch.
Weiter so, ich schätze ihre Grundhaltung und guten Beiträge, die ich viel zu selten so ausführlich wie heute lese und genieße.
Herzlichen Dank vom karnevalsjecken Rhein. Ich genieße die Tage ohne Clownnase und gönne mir ohne Familie und Schule eine besinnliche Zeit.
Ihre
Andrea Stein
 

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